BANTU
‘Bantu’

Nitty Gritty Music / Rough Trade


Album VÖ: 27.September 2004

Biographie:

The Sound of Fufu! – so beschreibt der afro-europäische Musiker Adé Bantu treffend seinen Mix aus pumpenden Beats, funkiger Instrumentierung und einer lyrischen Garnitur die eine politische Message partytauglich macht. Ohne jeden Zwang, ohne mahnenden Zeigefinger.

So wie Fufu (die beliebten westafrikanischen Kassava-Klöße) ihren Reiz erst als Basis zu verschiedensten Speisen & Soßen entfalten, so zeigt sich der Bantu-Vibe in all seinen bunten Facetten: eine wirklich afropäische Melange aus Rap, Afrobeat und Reggae, die Hüften und Hirn gleichermaßen inspiriert.

Dancehall-Tunes wie „Temperature’s Boiling“, african riddims wie „No More No Vernacular“ oder soulige Hooks wie in der knisternden Ballade „Me, You and the Moonlight“ sind der Spiegel unserer urbanen Kultur. Dabei spielt es in Zeiten des globalen Dorfes keine Rolle mehr ob in Lagos’ Shantytowns gerappt und gebreakt wird, man in Köln zu Highlife abgeht oder Tokio im Reggaerausch versinkt. Bantu ist all dieses.


Musical Activist


Adé Bantu hat schon 2001 mit seinem Brothers Keepers Projekt musikalische und gesellschaftliche Wellen geschlagen. Auf seine Initiative kamen afrodeutsche Hip Hop- und Soul-Künstler für ein kompromissloses Statement gegen Rassismus in Deutschland zusammen. Dies sollte jedoch nur ein weiterer Höhepunkt in seiner langjährigen Arbeit als Musiker und Aktivist sein:

Seit den Anfängen des Hip Hop in Deutschland war er in Gruppen wie „Weep Not Child“ Teil der gerade aufblühenden Bewegung. Mit Musikprojekten, Musicals und Rap-Workshops gab er Jugendlichen die Chance, eine kreative Stimme zu finden, um ihre Realitäten und Ambitionen zu beschreiben.

Die Aktivitäten beschränkten sich jedoch nicht auf Europa: BANTU veröffentlichte mehrere Singles in Nigeria und forderte damit nigerianische Jugendliche auf, mit neuem Stolz auf ihre kulturelle Identität den Herausforderungen der „afrikanischen Renaissance“ zu begegnen.

Zuletzt stand die Single „No More No Vernacular“ acht Wochen lang (!) an der Spitze der Radio-Charts in Nigeria. Dem vorausgegangen war im Jahr 2000 ein Kassetten-Release in Albumlänge für den westafrikanischen Markt, 2002 die rootsige Maxi-Single „African Border“ (feat. Patrice) und 2003 die Hitsingle „Rudie“ mit Gentleman und UB40.


Global Afropeans


Lumumba, Nkrumah, Sankara, Saro Wiwa, Fela – auf „Bantu“ werden große Panafrikanisten angeführt, die deutlich machen, auf wessen Schultern die musikalische und politische Vision des Künstlers und seiner Mitstreiter steht.

The unified Africa with open doors schüttelt (neo-)koloniale Fesseln ab. Ganz im Sinne des jamaikanischen Menschenrechtlers (und „Grandfather of Panafricanism“...) Marcus Garveys: „By those at home and those abroad“.

Diese Zukunftsvision hält Bantu jedoch nicht davon ab, die Probleme der Gegenwart anzusprechen – sei es in Europa oder Afrika: Korruption in Nigeria wird ebenso kritisiert wie gesellschaftlicher und institutioneller Rassismus, der sich in Deutschland unter anderem in der Residenzpflicht für Asylbewerber zeigt.

Doch die Texte gehen über bloße Kritik hinaus. Sie fordern Veränderung und Einsatz: „Mit Kritik allein ist es nicht getan“, erläutert Adé, „es bringt nichts auf das große Wunder zu warten, man muß es erschaffen! Ich fordere kreativen Widerstand, von all denen, die sich mit den bestehenden Verhältnissen nicht arrangieren wollen!“

Musikalisch nutzt „Bantu“ die Impulse der globalen Musiktrends Europas und Amerikas und verbindet sie mit dem Mutterland moderner Musik: Afrika.
Die Songs erkunden neue Sound-Landschaften, indem sie Einflüsse aus Afrika und der Diaspora zusammenbringen: Yoruba und Patois, Talking Drum und MPC verschmelzen zu einer Einheit, zum organischen Soundtrack einer black experience.

Die Kollaborationen mit dem legendären jamaikanischen Drummer Sly Dunbar für „Omowalé“ und den senegalesischen Rap-Stars Positive Black Soul (PBS) für „One Vibe One Flow Pt. 2“ illustrieren Bantus Weg zu transkontinentaler Einheit.

Ob Afropop, Hip Hop oder Dancehall, Adé und sein musikalischer Mitstreiter und Bruder Don Abi verwirklichen stets eine Lektion, die Fela Kuti lehrte:

Party und Politik sind kein Widerspruch!


Credits:

Vocals: Adé & Don Abi, Carlos Robalo, Mirta & Blain, Sami Sossa, PBS, Pee Froiss, Kaye & Tesirée
Guitars: Earl “Chinna“ Smith, Manougazou
Talking Drum: Tunji Beier
Bass: Donald Dennis, Bernd Keul
Drums: Sly Dunbar, Josef Kirchgen
Keyboard: Donald Dennis, Sebi Düwelt
Flute and Horns: Reiner Witzel, Florian Beckmann
Scratches: Domee, DJ Terror
Programming & production: Beatschmieda, Pionear, Trulaikes, Don Abi, Adé, Mbegane N’Dour, Rob Nuca
Studios: 2EMI Paris, Music Lounge Berlin, Headrush Studio, True Business
Studios Cologne: Nucalamani, Tabernacle, Perch’s Place, MM Studios, 96° Studio
Engineers: Neil Perch, Fabrice Deburre, Beatschmieda, Duke & Sascha Helfrich, Busy, Roe Beardie, A Himself



Verweise & Informationen:

THOMAS SANKARA siehe Titel 5 “Add Subtract”


The way they robbed the Blackman of his very own achievement
There must be something deep be crawling in their sleep
No wonder they be killing anyone who dares to speak
Lumumba, Nkrumah, Sankara, Fela
We’ve sacrificed our best to the arrogant west


Sankara führte ab 1983 eine der kreativsten Revolutionen in Afrika. Befreiung aus neokolonialer Bevormundung, Frauen-Emanzipation und ökologisches Bewusstsein vereinte er und demonstrierte praktisch, dass es Alternativen zum vom Westen aufgezwungenen „Entwicklungsmodell“ gibt. Sein kompromissloses Eintreten für Befreiung von Kolonial-Mentalität und europäischer Einmischung schuf ihm jedoch nicht nur Freunde: 1987 wurde er bei einem Attentat in Wagadougou ermordet.

“I would like to leave behind me the conviction that if we maintain a certain amount of caution and organization we deserve victory... You cannot carry out fundamental change without a certain amount of madness. In this case, it comes from non-conformity, the courage to turn your back on the old formulas, the courage to invent the future. It took the madmen of yesterday for us to be able to act with extreme clarity today. I want to be one of those madmen. We must dare to invent the future.” (Thomas Sankara 1985)

KEN SARO WIWA siehe Titel 9 „Watch Out“


Say we can’ leave di idiot leaders to dictate di pace
Saro Wiwa and Nkrumah turning in dem graves
So beat di drums gather we best
each one must teach one - no time fi rest


Ken Saro Wiwa, preisgekrönter Autor und Drehbuchschreiber stand zu Beginn der 90er Jahre an der Spitze der Protestbewegung des Ogoni-Volkes, dass sich gegen die Ausbeutung der Ölreserven in Siedlungsgebieten des Nigerdeltas wehrte. Das amtierende Militär-Regime machte mit Shell auf Kosten der Ogoni gemeinsame Sache. Umweltschäden zerstörten ihre Lebensgrundlage, doch Konzern und Militärs reagierten auf die Forderungen nicht mit Entschädigungen und Gewinnbeteiligungen, sondern mit Gewalt. Die Repressalien gegen Saro Wiwas gewaltfreie, an den Maximen Ghandis und M.L. Kings orientierter Protestbewegung fanden 1995 in der Hinrichtung des Schriftstellers und neun seiner Mitstreiter ihren Höhepunkt. Bis heute kämpft die Bevölkerung des Nigerdeltas gegen Betrug und Umweltzerstörung und für faire Beteiligung an den Gewinnen multinationale Ölkonzerne.

RESIDENZPFLICHT siehe Titel 7 „Temperature’s Boiling“

Double stand Apartheid we nah gree fi dat
An dem racial profiling jus because we black
We nah gree to dem second class citizen format
No more magistrate and detention tour
No more residence obligation law
No more refugee concentration camp
No more food stamp to downpress di poor


Asylbewerber in Deutschland werden nicht nur von rechts aussen, sondern systematisch vom Staat diskriminiert: Die sogenannte „Residenzpflicht“ beraubt sie ihres Menschenrechtes auf Bewegungsfreiheit. Ein nur mit den Passgesetzen im Apartheid-Südafrika vergleichbares Gesetz beschränkt ihre Bewegungsfreiheit auf ein festgelegtes Gebiet im Umkreis des ihnen zugewiesenen „Heimes“, das allerdings meist ein Sammellager, eine Massenunterkunft in städtischen Randgebieten ist.




Redaktion: Joshua Aikins


Press Reviews (Germany):

“Bantu presents a brilliant mix of Afro- Beat, Dancehall Reggae, Hiphop and Soul.
The album reflects a life lived between continents, Cologne and Lagos with all the transatlantic coordinates of a global culture. Most of all, Bantu radiates more positive vibes and Joie de vivre than ever before”- Riddim Magazine

“Bantu’s songs are catchy. They are a successful fusion of Nigerian sounds and rhythms with an up to date production that leaves world music clichés far behind”- Jay Ruthledge

“ Bantu does ambitious black music that is almost unrivalled in Germany”- Kölner Illustrierte magazine

“It’s a fun album, thanks to the profound lyrics and relaxed beats/Ridddims and it gives an insight into how rap is celebrated in Africa” -Hiphop.de

“Many pleasant tunes make this album a pleasurable, short-lived experience. Thumbs up!”- Irieites magazine

“Bantu’s fireworks of Reggae, Dancehall, Hiphop, Funk and Dub strike a nerve inviting one to shake, nod and rock. And this makes the self titled debut a good recommendation for every party DJ”- Brigitte Magazine

“Bantu are truly dedicated cultural ambassadors, involving everyone in an understandable dialogue of music”- African Courier

“Bantu (Brotherhood Alliance Navigating Towards Unity) stands for more than “just” music. Socio-critical lyrics merge with danceable catchy melodies and riddims”- Sub Culture magazine

“You can hear it in the 12 track Bantu album, that it didn’t just leave the soundproof ambient of a studio to go on CD, instead it took a 3 year detour through clubs, concert halls and thousand of concertgoers ears”.- Radio Funkhaus Europa



Bantu Discography:

1999 Guest appearance on Schäl Sick Brass Band’s “Tschupun”, CD (ACT)
Bantu “Fufu”, Tape (Kennis Music Nigeria)

2000 Guest on Schäl Sick Brass Band’s “Maza Meze”, CD (ACT)

2001 Guest on Brothers Keepers “Adriano”, MCD (WEA)
Guest on Brothers Keepers “Lightkultur”, CD (WEA)

2002 Guest on Schäl Sick Brass Band’s “Kesh Mesh”, CD (Westpark)
Bantu “Omowale/No More No Vernacular”, MCD (Nitty Gritty Music Nigeria)

2003 “African Consciences” Compilation CD (Universal)
Guest on UB40’s “Rudie (Hold It Down)”, MCD (Virgin)
“ Statements Outta Babylon” Compilation CD (Popup Records/EFA)
“ Her mit dem schönen Leben” Compilation CD (Pirate Records/Sony)

2004 Bantu „Bantu“ CD (Nitty Gritty Music/Rough Trade)
Guest on Razoof’s „Soul Aquarium“ CD (Nesta Recordings)
„Reimkraft 2“ Compilation CD (ZYX Music)