Geschichte von Aids
HIV ist eng mit Viren verwandt, die aidsähnliche Symptome in Primaten auslösen, und es ist allgemein akzeptiert, dass einer dieser Virustypen Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Menschen übertragen wurde, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass dies in isolierten Fällen bereits früher geschah.

Genaue Angaben über Zeit, Ort, Art und Anzahl der Übertragungen sind nicht bekannt.

Das HI-Virus stammt sehr wahrscheinlich von dem bei Schimpansen gefundenen SI-Virus ab

Ein Virus, das fast identisch mit dem menschlichen HI-Virus ist und SIV genannt wird, wurde in Schimpansen gefunden. Nach jüngsten Untersuchungen von Virologen der Universität Birmingham/Alabama löst HIV-1, das von dem im Schimpansen gefundenen SI-Virus abstammt, vermutlich die Immunschwächekrankheit aus. Durch eine genetische Analyse konnten die Wissenschaftler zeigen, dass das SI-Virus eine Kombination aus zwei Virusstämmen ist, die in bestimmten Meerkatzen vorkommen. Da Meerkatzen von Schimpansen gejagt und gefressen werden, müssen sich die Schimpansen mit den zwei Virusstämmen infiziert haben, aus denen sich dann in ihrem Körper das SI-Virus gebildet hat. Die Übertragung dieses SI-Virus auf den Menschen erfolgte nach Ansicht der Forscher wohl bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Verzehr von Schimpansenfleisch.
Weitere wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass das HI-Virus zuerst in Westafrika auftrat, aber es ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt, ob es nicht mehrere Virusherde gab. Neue so genannte phylogenetische Untersuchungen, das heißt Verwandtschaftsvergleiche zwischen den unterschiedlichen Subtypen von HIV und zwischen HIV und SIV lassen vermuten, dass mehrere unabhängige Übertragungen vom Schimpansen auf den Menschen in Kamerun und/oder dessen Nachbarländern stattfanden. Die erste Blutprobe, die nachgewiesenermaßen HIV enthält, wurde 1959 im Kongo genommen. Weitere Proben stammen von einem US-Amerikaner (1969) und einem norwegischen Matrosen (1976).
1981 wurde erstmals eine Häufung seltener und oft tödlich verlaufender Infektionen bei zuvor gesunden homosexuellen Männern in den USA beschrieben. Besonders auffällig war die Kombination von Pneumocystis carinii-Infektionen und Karposi-Sarkomen, beides Erkrankungen, die zumeist bei deutlich geschwächten Patienten auftrat. Schon recht früh wurde eine erworbene Immunschwächeerkrankung für die wahrscheinlichste Ursache in Betracht gezogen. Epidemiologische Untersuchungen in den USA zeigten, dass neben Homosexuellen vorwiegend Drogenabhängige, Empfänger von Blut und Blutprodukten und Kleinkinder von erkrankten Müttern an Aids erkrankten. Dies führte 1982 zu der Vermutung, dass der Auslöser der neuen Erkrankung ein sexuell und intravenös übertragbarer Erreger sei. 1983 isolierten französische Forscher ein Virus, bei dem sie die Ursache für Aids vermuteten. Eine kausale Beziehung zwischen dem Virus und der Immunschwächeerkrankung wurde kurze Zeit später behauptet. Zwei Jahre später, 1985, wurde der erste ELISA-Antikörper-Test etabliert. Zu Anfang galt die Erkrankung in der öffentlichen Wahrnehmung als Problem von Randgruppen – Homosexuellen und Drogenabhängigen. Dies änderte sich jedoch auf dramatische Weise durch das Aufkommen von HIV-Tests. Denn auch Menschen ohne klinische Symptome hatten Antikörper, was auf eine Inkubationszeit von mehreren Jahren hindeutete, in der das Virus möglicherweise auch weitergegeben wurde. 1984 ergaben Untersuchungen, dass Aids in Kinshasa bei Männern und Frauen gleich häufig auftrat, unabhängig von Drogenkonsum und Bluttransfusionen. In den USA wurde 1985 berichtet, dass bei untersuchten Hämophiliekranken ("Blutern"), die sich durch Blutkonserven infiziert hatten, die Ansteckungsrate der Ehefrauen bei 70% lag. Die Erkenntnis, dass die Ansteckungsgefahr bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr deutlich höher zu sein schien als zunächst angenommen, führte zu einem großen öffentlichen Interesse. Die Kombination aus den nun bekannten Ansteckungswegen und langer Inkubationszeit ließen epidemiologische Hochrechnungen ein apokalyptisches Bild zeichnen. Eine geschichtlich einmalige Massenhysterie breitete sich aus: Aids schien zu einer Bedrohung der Menschheit geworden zu sein. Die jährliche Verdopplung von Neuerkrankungen hielt in Deutschland nur von 1984 bis 1987 an, danach verlief der Anstieg der Zahl von Erkrankten weniger steil, bis sich die Zahlen im Jahre 1993 auf ca. 2000 einpendelte. Dadurch änderte sich auch schnell wieder das öffentliche Interesse an Aids. 2003 steckten sich weltweit ungefähr 4,8 Millionen Menschen neu mit dem Virus an, im selben Jahr starben circa 2,9 Millionen Menschen daran.

Krankheitsverlauf
Eine HIV-Infektion verläuft in drei Phasen:

1. Akute Phase (4-6 Wochen)
Normalerweise treten 2-6 Wochen nach einer Infektion grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Nachtschweiß, geschwollene Lymphknoten, Übelkeit usw., auf. Manche Patienten bemerken diese Symptome jedoch nicht oder sie haben keine.
2. Latenzphase:
In dieser Zeit vermehrt sich das Virus im Körper. Der Betroffene bemerkt davon zunächst nichts.
3. Aids:
Die rein klinische Diagnose "Aids" wird gestellt, wenn bei einem HIV-Positiven bestimmte Infektionen, die sogenannten Aids definierenden Erkrankungen, festgestellt werden. Diese Infektionen nennt man opportunistische Infektionen. Oft sind die Erreger solcher Infektionen für den gesunden Menschen bzw. ein gesundes Immunsystem harmlos. Durch das geschwächte bzw. vernichtete Immunsystem eines HIV-Positiven kann sich der Organismus jedoch nicht mehr gegen selbst harmlose Erreger wehren und es treten die o.g. Infektionen auf. Als Maß für die Zerstörung des Immunsystems dient die T-Helfer-Zellen-Zahl im Blut eines HIV-Infizierten. Der Standard-Grenzwert ist erreicht, wenn das T-Zell-Niveau eines Patienten unter 200–400 / µl Blut fällt. Die Unterschreitung dieser Grenze stellt eine Behandlungsindikation dar. Es existiert die Theorie, dass nicht jeder, der mit dem HI-Virus infiziert wurde, zwangsläufig Aids entwickelt. Hierzu gibt es jedoch keine gesicherten Erkenntnisse.

Deutschland
Die Zahl der Neuinfektionen lag in den letzten Jahren relativ konstant bei knapp 2.000 pro Jahr. Ende 2002 lebten ca. 39.000 HIV-infizierte Menschen in der Bundesrepublik. Grund zur Besorgnis gibt der kontinuierliche Anstieg von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Nicht nur, dass sich damit das Risiko einer Ansteckung erhöht, es zeigt auch, dass die Akzeptanz von Kondomen rückläufig zu sein scheint. Auch die Zahl der an Aids Erkrankten liegt bei ca. 700 pro Jahr und ist ebenfalls relativ konstant. Etwa 600 Menschen sind 2002 an den Folgen einer HIV-Infektion beziehungsweise an Aids verstorben. Von Anfang der 1980er Jahre bis 2002 haben sich in der Bundesrepublik Deutschland etwa 60.000 Menschen mit HIV infiziert, etwa 25.500 Menschen sind an Aids erkrankt und etwa 20.500 sind an den Folgen der HIV-Infektion gestorben.
Im August 2004 ergaben neueste Untersuchungen, dass die Zahl der Neuinfinzierten nun doch auf ca. 3.000 im letzten Bemessungszeitraum angestiegen ist und ca. 43.000 HIV-infizierte Menschen in der Bundesrepublik leben. Diese alarmierende Nachricht wird durch die Tatsache begründet, dass zum einem die Aufklärungswelle der 1990er-Jahre "verebbt" sei und zum anderen gerade Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren eine erstaunliche Unkenntnis in Bezug auf die latente Ansteckungsgefahr beim ungeschützten Sexualakt hätten. So behauptet erschreckenderweise jeder fünfte Jugendliche, dass man einem HIV-Positiven "die Krankheit ansehen könne".

Epidemiologie
Allgemein
Aus epidemiologischer Sicht ist das weltweite Verteilungsmuster von HIV interessant: Während sich die meisten Viren gleichmäßig schnell ausbreiten, war dies bei HIV anders. Während die HIV-Epidemie in den USA bereits vor 20 Jahren begann, gab es einige Länder, die von HIV verschont zu seien schienen, dann aber mit großer Geschwindigkeit vom Virus erobert wurden. So geschah es vor allem in Osteuropa und Asien Mitte der 1990er Jahre. In anderen Ländern, zum Beispiel Kamerun, blieb die Prävalenz von HIV Jahre lang stabil, um dann sprunghaft anzusteigen. Auch eine Obergrenze in der HIV-Prävalenz scheint es nicht zu geben. So stieg die Quote der schwangeren Frauen mit HIV in städtischen Zentren in Botswana nach 1997 in vier Jahren von 38,5% auf 55,6%.
Dass HIV erfolgreich zu bekämpfen ist, zeigt das Beispiel Uganda. 1992 lag die Prävalenz von HIV bei schwangeren Frauen bei nahezu 30% und konnte auf 10% im Jahre 2000 gesenkt werden. Grundlagen dieses Erfolges waren die landesweite Einführung von Sexualkundeunterricht, flächendeckende Kampagnen zur Steigerung der Akzeptanz von Kondomen, HIV-Tests, deren Ergebnisse noch am selben Tag bekannt gegeben wurden und Selbsthilfe-Kits für sexuell übertragbare Krankheiten. Diese Erfolge sind jedoch nur mit finanziellen Mitteln durchführbar, die viele der Hochendemie-Länder in Afrika nicht allein aufbringen können. Unabdingbar ist ferner ein politischer Wille diese Seuche aktiv zu bekämpfen.

 

Mit HIV/Aids lebende Personen

Neuinfektionen

Todesfälle

Todesfälle aufsummiert

1980

(~ 2.000.000)1

-

-

-

1993

(12.900.000)1

-

-

(2.500.000)1

1999

-

4.000.000

-

-

2000

-

3.800.000

-

-

2001

34.900.000 (40.000.000)1

3.400.000

2.500.000

20 - 22 Mio

2002

- (42.000.000)1

3.500.000

3.100.000

~ 21.1 Mio

2003

37.800.000

4.800.000

2.900.000

~ 24.0 Mio

2004

39.400.000

4.900.000

3.100.000

~ 27.1 Mio

1Bei der Berechnung der Gesamtzahl aller Infektionen wandte UNAIDS ab 2004 eine neue Methodik an, die eine relative Korrektur der Zahlen nach unten nach sich zog. Nach alter Methodik ermittelte Zahlen sind zur Unterscheidung kursiv gesetzt, für 2001 finden sich zum Vergleich beide Werte angegeben, ein korrigierter Wert für 2002 ist nicht bekannt.

Globale Verteilung

2001

2002

2003

2004

Südliches Afrika

23,8 Millionen

24,4 Millionen

25,0 Millionen

25,4 Millionen

Süd- & Südostasien

5,9 Millionen

6,4 Millionen

6,5 Millionen

7,1 Millionen

Latein-Amerika

1,4 Millionen

1,5 Millionen

1,6 Millionen

1,7 Millionen

Osteuropa & Zentralasien

890.000

1,0 Millionen

1,3 Millionen

1,4 Millionen

Ostasien & Pazifik

680.000

760.000

900.000

1,1 Millionen

Nordamerika

950.000

970.000

1 Million

1 Million

Westeuropa

540.000

600.000

580.000

610.000

Nordafrika und Naher Osten

340.000

430.000

480.000

540.000

Karibik

400.000

420.000

430.000

440.000

Ozeanien

24.000

28.000

32.000

35.000

Alle Zahlen von UNAIDS

Im südlichen Afrika ist die Rate am höchsten. Die Rate der Schwangeren HIV-Infizierten in Südafrika unter 20 Jahren ist auf 15,4 % gesunken (1998: 21 %); dies bedeutet, dass Aufklärungsprogramme langsam Erfolge zeigen. Jedoch sind die Aids-Raten bei älteren Frauen immer noch sehr hoch. 32 % der Frauen zwischen 24 und 29 Jahren sind derzeitig mit der Krankheit infiziert. Insgesamt sind 20 % der Bevölkerung Südafrikas mit HIV infiziert.


Aids in Afrika
Die Aids-Pandemie hat ihre schlimmsten Ausmaße südlich der Sahara. Hier leben 26 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. In einigen Ländern hat sich durch die Immunschwächeerkrankung die Lebenserwartung um mehr als 10 Jahre gesenkt. Warum sich die Erkrankung hier so viel schneller verbreitet, ist nicht ganz geklärt.
Es scheint einige Faktoren zu geben, die die Ausbreitung begünstigen: während in Europa und Nordamerika schon kurz nach der Entdeckung des HI Virus durch Massenmedien, die Endzeitstimmung verbreiteten, große Teile der Bevölkerung über die Übertragungswege und Prävention informiert waren, blieb Aids in vielen Teilen Afrikas ein Tabuthema, dadurch hatte die Seuche fast 20 Jahre mehr Zeit, sich ungehindert zu verbreiten. Zudem war und ist in vielen Gebieten das Interesse, seinen HIV-Status zu kennen und somit andere schützen zu können, recht gering. Ein positives Testergebnis kommt in vielen Gebieten Afrikas einem Todesurteil gleich, da es keinerlei Behandlungsmöglichkeiten gibt. Zudem kann das Bekanntwerden des HIV-Status zu Diskriminierung führen. In Gebieten, in denen kostenlose HIV-Behandlungen angeboten werden, steigt auch das Interesse an HIV-Tests. In vielen Ländern haben ökonomische Bedingungen die herkömmlichen Lebensweisen verändert. Dies führt auch zum Anstieg der Armutsprostitution, die maßgeblich an der Verbreitung beteiligt ist.
Höhere Prävalenz und fehlende Behandlungsmöglichkeiten für andere sexuell übertragbare Krankheiten begünstigen die Übertragung des HI-Virus. Da viele Geschlechtskrankheiten zu Hautwunden an den Geschlechtsorganen führen, kann das Virus beim Geschlechtsverkehr in solchen Fällen die Schleimhautbarrieren wesentlich leichter überwinden. Gelegentlich werden auch genetische Faktoren in Betracht gezogen. Auch Unterschiede des HI-Virus von den in Europa verbreiteten Stämmen wurden als Faktoren benannt. Bekannt ist auch, dass Aids vermehrt mit den in Afrika häufigen Erkrankungen Tuberkulose und Malaria einher geht. In wie weit die Prävalenz dieser Erkrankungen die Verbreitung von HIV beeinflussen, ist noch nicht verstanden. Polygamie und das sofortige Heiraten der Witwen durch Familienangehörige des Verstorbenen sind ebenfalls begünstigende Faktoren. Auffallend ist, dass im Gegensatz zu Europa und Nordamerika mehr Frauen als Männer betroffen sind. Erklärungen dazu sind jedoch sehr vage. Bekannt ist, dass es einen Zusammenhang von Gewalt in Beziehungen und der Wahrscheinlichkeit, Aids zu haben, gibt: In Tansania ergab eine Untersuchung, dass bei jungen Frauen, die Gewalt durch ihren Partner erfahren haben, die Wahrscheinlichkeit, HIV-infiziert zu sein, zehn mal höher war als bei Frauen, die keine Gewalt erfuhren. In wie weit patriarchale Verhältnisse die Verbreitung von HIV begünstigen, bleibt zu untersuchen, genauso wie die Frage, in wie weit Vergewaltigungen, vor allem in Bürgerkriegsländern, einen Einfluss auf die Verbreitung von HIV haben. Von verschiedenen Seiten werden die Statistiken für Afrika angezweifelt. Armut und Unterernährung seien für Immunschwäche und die Ausbreitung opportunistischer Infektionen verantwortlich und nicht das HI-Virus. Einige HIV-Testverfahren sollen zudem häufiger zu falsch positiven Ergebnissen kommen, wenn eine Malariainfektion vorliegt.
Während in den Industrienationen sich für HIV-Infizierte die Lebenserwartung und Lebensqualität deutlich gebessert hat – sei es durch antiretrovirale Medikamente, durch bessere Behandlung von opportunistischen Infektionen oder die medikamentöse Prophylaxe von Infektionen –, sind die Perspektiven von HIV-Infizierten in den meisten afrikanischen Ländern immer noch schlecht. Wo eine medizinische Versorgung oft ein Privileg weniger ist, bleibt eine lebenslange antiretrovirale Therapie für Millionen von Menschen unbezahlbar. Über viele Jahre herrschte von Seiten der Industrienationen Ignoranz gegenüber der Pandemie in Afrika. Dies hat sich etwas gebessert: In jüngster Zeit gibt es verschiedene Ansätze, HIV im großen Stil zu bekämpfen. Neben humanitären Gesichtspunkten spielen auch ökonomische Interessen eine Rolle in der neuen Hilfsbereitschaft. Jahre lang hatte die Pharmaindustrie nicht nur kein Interesse am Einsatz von antiretroviralen Medikamenten in afrikanischen Ländern, die so gut wie keinen Absatzmarkt darstellen. Einige Hersteller befürchteten auch, dass der Einsatz von antiretroviralen Medikamenten in armen Ländern zur Entstehung von Resistenzen führt, da durch fehlende Geldmittel und schlechte Infrastruktur Therapien immer wieder unterbrochen würden und dem Virus die Möglichkeit gegeben würde, sich zu erholen und anzupassen. Ein Sprecher der Organisation USAID behauptet zudem, dass viele Afrikaner nicht in der Lage seien, Medikamente jeden Tag zur gleichen Zeit einzunehmen – ein Vorurteil, das sich in einigen angesehen medizinischen Journalen wiederfand. Durch die Einführung von antiretroviralen Generika, die lange von den patentinhabenden Pharmafirmen verhindert wurden, wurde eine antiretrovirale Therapie für Hilfsorganisationen und für zumindest wohlhabende Teile der afrikanischen Bevölkerung erschwinglich. Jüngere Studien zu antiretroviralen Therapien ergaben, dass Resistenzprofile in Afrika sich nicht deutlich von denen in industriellen Ländern unterscheiden, und wenn man die mangelnden finanziellen Mittel als Faktor ausklammert, sich das Einnahmeverhalten der Medikamente auch nicht unterscheidet. Zu Beginn des Jahres 2004 hat die Clinton Foundation eine Einigung mit verschiedenen Generikaherstellern und Markenherstellern erzielt und deutlich günstigere Konditionen für die Länder ausgehandelt, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind. UNAIDS verkündete das Ziel, in diesen Ländern drei Millionen Menschen bis zum Jahre 2005 den Zugang zur antiretroviraler Therapie zu ermöglichen. Das Erreichen dieses ehrgeizigen Plans hängt vor allem davon ab, in wie weit die Geberländer von UNAIDS ihre Zusagen halten – die deutsche Bundesregierung hat einen Großteil des zugesagten Geldes zurückgehalten.
Einen eigenen Weg in der Aidsbekämpfung in Afrika scheinen die Vereinigten Staaten von Amerika zu gehen. Präsident Bush verkündete einen “Emergency Plan” und versprach große Geldsummen. Diese Initiative wird jedoch von vielen Seiten kritisiert. Zum einen wird vorgeworfen, dass die Zahlen künstlich hoch gerechnet werden. Es werden bestehende Programme, die sowieso schon finanziert werden, zum Emergency Plan umdeklariert. Zum anderen werden die Bedingungen kritisiert, die erfüllt werden müssen, um Geld zu erhalten. So dürfen Therapieprogramme nur bestimmte Markenprodukte anstelle von Generika benutzen, sodass eine Therapie drei- bis fünfmal teurer wird. Auch die deutliche Bevorzugung von so genannten “Faith based Organisations” gegenüber anderen NGOs und Initiativen wird kritisiert. Von diesen wird häufig der Gebrauch von Kondomen abgelehnt – dem nachweislich effektivsten Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Auch die deutliche Gewichtung der Geldmittel zugunsten medikamentöser Therapie gegenüber Präventionsmaßnahmen wird von einigen kritisch gesehen. Wie eine Studie von UNAIDS-Mitarbeiteren ergab, ist die Therapie der mit Abstand teuerste Weg der Pandemiebekämpfung.

Aidstest

Der umgangssprachlich sogenannte "Aidstest" meint den HIV-Antikörper-Test. Dies ist ein kostengünstiger Suchtest, basierend auf einem Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA), und eignet sich daher für regelmäßige Untersuchung gefährdeter Personen. Hier wird das Blut auf das Vorhandensein von Antikörpern untersucht. Dieser Test ist frühestens zwölf Wochen nach einem eventuellen Risikoereignis sinnvoll, weil sich erst dann Antikörper in der Anzahl gebildet haben, dass man sie sicher nachweisen kann. Der Test hat eine hohe Sensitiviät, d.h. sollten Antikörper vorhanden sein, werden diese auch erkannt. Allerdings sind mit keinem dieser Tests die erkannten Antikörper eindeutig einer HIV-Infektion zuzuweisen.
Zur Sicherung der Diagnose und genaueren Untersuchung der vorhandenen Virusstämme dienen umfassende weiterführende Tests, welche Antikörper, HIV-Antigen oder beide detektieren können. Weiter dient ein Nachweis proviraler HIV-DNA der Sicherung der Diagnose, während sich anhand der HIV-RNA die Virus-"Menge" messen lässt. Mittlerweile werden auch solche Nachweismethoden zum diagnostischen Standard, welche Resistenzen in den Virusstämmen gegen antiretrovirale Therapien zeigen.
Schwierigkeiten bereitet die Diagnose bei Neugeborenen, da die nachgewiesenen Anti-HIV-Antikörper der Klasse IgG üblicherweise von der infizierten Mutter stammen. Kommerziell erhältliche Tests zum Nachweis von IgM- oder IgA-Antikörpern, welche vom Kind gebildet werden, sind noch nicht vorhanden. Somit lässt sich bei positivem Antikörper-Suchtest, aber bei negativem Test auf HIV-DNA oder -RNA kein klarer Status erschließen.

Meldepflicht
In Deutschland wird dem feststellenden Arzt im Rahmen der Laborberichtspflicht empfohlen, eine HIV-Infektion anonymisiert dem Robert-Koch-Institut in Berlin zu melden. Eine HIV-Infektion ist in Österreich, im Gegensatz zur Aidserkrankung, nicht meldepflichtig. Diese erfolgt an das Ministerium in anonymisierter Form.
Schutz vor Ansteckung
Safer Sex
Zum Risiko der Frau: Über die empfindlichen Scheidenwände kann HIV leicht in die Blutbahn eindringen. Das Risiko, sich anzustecken, ist besonders groß, wenn im Genitalbereich schon eine andere Infektion vorliegt, ebenso während der Monatsblutung.
Zum Risiko des Mannes: Infektiöse Scheidenflüssigkeit kann über die Schleimhäute des Penis zur Ansteckung führen; diese haben häufig sehr kleine, nicht spürbare Verletzungen. Während der Monatsblutung ist das Infektionsrisiko wegen des Kontakts mit Blut größer.
HIV ist leichter vom Mann auf die Frau übertragbar als umgekehrt. Für beide besteht aber ein Risiko.
Sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht: Bakterien, Pilze und Viren - wie HIV und Hepatitis-Viren. Sie befinden sich z.B. in Blutresten in gebrauchten Spritzen oder Nadeln, in gebrauchten Filtern, auf schmutzigen Löffeln und so weiter.
Am gefährlichsten ist das Needle-Sharing, wenn also Nadel und/oder Spritze von mehreren benutzt werden. Über Bluteiweiß-Reste, die man mit bloßem Auge oft nicht mehr erkennen kann, können Viren, Bakterien und Pilze in die Blutbahn gelangen und z.B. Schüttelfröste, Krämpfe oder Abszesse verursachen. Eine Reihe von Bakterien und Pilzen kann auch in Herz und Lunge geraten, sich dort festsetzen und zu schweren (manchmal lebensbedrohlichen) Komplikationen führen. Sehr gefährlich sind Hepatitis-Viren und HIV. HIV ist das Virus, das Aids verursacht - und Aids ist immer noch nicht heilbar. Hepatitis-Infektionen können die Leber schwer angreifen. Wird eine Hepatitis chronisch, kann es zu Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs kommen.
Nur sterile Spritzbestecke bieten einen optimalen Schutz vor Infektionen. Können Drogengebraucher nicht darauf zurückgreifen, sollten sie Spritzbesteck auf jeden Fall vorher reinigen (siehe "Tipps zum Reinigen des Spritzbestecks")!
Drug-Sharing
Wird die gesamte Substanz mit EINER Spritze aufgezogen und dann, nach Teilstrichen bemessen, an die anderen weitergeben, ist das sehr riskant. Zwar benutzt jede/r die eigene Spritze, doch wenn die erste Spritze oder Nadel nicht steril sind, können Bakterien, Pilze und Viren weitergetragen werden.
Um Stoff gerecht zu teilen, gibt es eigentlich nur eine saubere Lösung: Eine/r teilt das Pulver, die anderen suchen sich ihre Portion aus. Dann benutzt jede/r den eigenen Löffel, den eigenen Filter, die eigene Spritze.
Work-Sharing
Auch beim gemeinsamen Benutzen von Werkzeug werden Krankheitserreger übertragen: Gebrauchte Filter und Tupfer, verunreinigte Löffel und Gläser, sogar abgestandenes Wasser sind "Verstecke" von Krankheitserregern und ein idealer Nährboden für Pilze und Bakterien. Diese Bedingungen sind "ideal" für die Übertragung von Hepatitis-Viren. Daher sollten Drogengebraucher immer nur den eigenen Löffel, unbenutzte Filter und Tupfer sowie frisches Wasser verwenden.

World Affairs - Miriam P.


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