Südafrika-AIDS
Die Immunschwäche-Krankheit Aids ist innerhalb von wenigen Jahren zu einer der größten Katastrophen der Menschheit geworden. Jeden Tag infizieren sich weltweit 14.000 Menschen mit HIV, der größte Teil lebt im sub-saharischen Afrika. In Namibia ist fast jeder vierte Erwachsene zwischen 19 und 45 Jahren HIV-positiv. In den nächsten zwei Jahren Jahrzehnten wird dort eines von drei Kindern mindestens ein Elternteil vor seinem 15. Lebensjahr verlieren. Bereits heute sind dort etwa 12 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren Waisen, insgesamt 115.000. Für diese Kinder sorgen traditionell Verwandte, zum großen Teil die Großeltern. Da diese selbst wenig Geld zur Verfügung haben und oft für sehr viele Kinder sorgen müssen, arbeiten die Kinder auf der Straße und gehen daher auch nicht zur Schule.


Namibia
Die katholischen Bischöfe haben in Namibia mit der Catholic Aids Action ein landesweites Netzwerk der Hilfe für von Aids betroffene Menschen aufgebaut. Die Organisation bildet Helferinnen und Helfer aus, die regional organisiert sind. Diese stehen den von Aids betroffenen Familien bei ihren vielfältigen Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen, die Aids-Kranken zu pflegen, besorgen Lebensmittel, wenn gar nichts mehr im Haus ist, und unterstützen Großmütter, die für ihre Enkel verantwortlich sind. Sie suchen mit den erkrankten Eltern nach einem Zuhause, wo die Kinder nach ihrem Tod leben können. Sie greifen Familien, die Aids-Waisen aufnehmen, unter die Arme. Sie helfen Jugendlichen, die allein für ihre kleineren Geschwister sorgen. 4.352 Aids-Patienten betreuen die Freiwilligen jeden Monat, über 17.000 Aids-Waisen sind bei der Catholic Aids Action registriert und erhalten immer wieder Unterstützung. Die Catholic Aids Action kümmert sich auch intensiv um die Aufklärung der jungen Generation – über 7.000 Kinder und Jugendlichen haben im vergangenen Jahr an Aufklärungskursen teilgenommen. Die Kosten für die Medikamente sind inzwischen so weit gesunken, dass im St. Mary´s Catholic Hospital in Rehoboth in einem Modellversuch HIV-Infizierte behandelt werden können. Die anti-retrovirale Behandlung verbessert den Gesundheitszustand und die Lebenserwartung der Kranken deutlich. Viele können wieder arbeiten und sich um ihre Kinder kümmern.


Sambia
In Sambia sind es ebenfalls freiwillige Helferinnen, die sich um Aids-Kranke und ihre Familien kümmern. Obwohl viele von ihnen selbst aus ärmsten Verhältnissen kommen, finden sie jeden Tag die Zeit und die Kraft, HIV-Infizierten und deren Kinder zu helfen, den Alltag zu bewältigen. Fachkräfte der Diözese bilden die Freiwilligen in Hygiene und häuslicher Krankenpflege aus.


Südafrika
In Südafrika engagieren sich zahlreiche kleine Organisationen und Gruppen in der besonders betroffenen Provinz KwaZulu in der Aids-Arbeit. Oft handelt es sich dabei um Initiativen von Dorfbewohnern, die dem Leid ihrer Nachbarn nicht länger untätig zusehen wollen. Was ihnen fehlt, sind fachliches Wissen und finanzielle Mittel. Die ökonomische Aids Foundation South Afrika (AFSA) unterstützt diese Basisgruppen mit ihrem Wissen über die Krankheiten und mit Geld aus einem eigens dafür eingerichteten Fonds.

Südafrika: Aids bringt wirtschaftliche Katastrophe
Die wirtschaftlichen Folgen der Immunschwächekrankheit Aids werden viel größer sein als bisher erwartet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Heidelberg, die gemeinsam mit der Weltbank erstellt wurde. In Südafrika wird Aids die Einkommen in den kommenden dreieinhalb Generationen um die Hälfte fallen lassen. Die neueste Studie der Heidelberger Forscher warnt aber davor, dass die Wirtschaftlich ertragreichsten Arbeitskräfte, das so genannte „menschliche Kapital“, junge Erwachsene, „aussterben“ könnten. „Die Jungen verfügen über Erfahrung, Ausbildung und die notwendige Erziehung. Sie sind das wirtschaftliche Potenzial des Landes“, so Hans Gersbach, einer der Studienautoren. Das führe dazu, dass der Transfer von menschlichem Kapital nicht von einer auf die folgende Generation übertragen werden könne, erklärt der Experte. Eine logische Folge davon sei die Notwendigkeit, Kinder aus der Schule zu holen und sofort in den Arbeitsprozess einzugliedern. „Erschwerend kommt noch dazu, dass sterbenskranke Eltern kein Kapital zur Erziehung aufwenden können“, umreißt der Experte das Bild. HIV-positive Kinder haben wenig Anreiz zu einer weiterführenden Ausbildung. „Der Effekt auf die gesamte Wirtschaft ist mit einem Zerfall der gesamten nationalen Intelligenz gleichzusetzen“, berichtet Gersbach. Im schlimmsten Falle könnte die gesamte Wirtschaft auf Kinderarbeit aufgebaut sein. Kinder von Eltern, die früher einmal Ingenieure waren, werden zu Subsistenz-Bauern. Damit sinkt auch die Chance auf ein höheres Verdienstpotenzial bei den Überlebenden. „Es gibt bereits heute in einigen Staaten südlich der Sahara solche Auswirkungen zu spüren“, meint Gersbach. So funktionieren Telefonsysteme in diesen Staaten nicht mehr, weil eine ganze Generation von ausgebildeten Technikern an Aids gestorben ist. „Aids ist damit nicht mehr ausschließlich eine private Gesundheitsgeschichte, sondern es trifft die Wirtschaft ins Mark“, so Simon Wright, Campaigner der britischen Hilfsorganisation ActionAid. Aids müsse als Top-Priorität gehandhabt werden, nur so könne das Horrorszenario wirksam verhindert werden. Meistens scheitern die Vorhaben an ineffektiven Lokalregierungen und dem Versagen der internationalen Gemeinschaft. Während der Welt-Aids-Konferenz haben rund 500 Medizinmänner für eine größere Beteiligung der afrikanischen Naturheilkunde im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit demonstriert. Im Zentrum des südafrikanischen Tagungsortes Durban warfen sie Präsident Thabo Mbeki vor, sie nicht in seine Anti-Aids-Politik miteinzubeziehen. Die Kenntnisse der traditionellen Naturmedizin der Stämme könnten die Schulmedizin im Kampf gegen die noch tödliche Viruskrankheit unterstützen, meinten die Demonstranten. In Südafrika findet seit erstmals ein internationaler Aids-Kongress in einem Entwicklungsland statt.

Südafrika: Aids verursacht drastischen Ausfall an Fachkräften
Die
Särge stapeln sich. Mehr als 5.500 Menschen sterben in Afrika täglich an den Folgen der Immunschwäche Aids. Doch es bleibt keine Zeit, die Toten zu beklagen. „Aids entwickelt sich mehr und mehr zu einer Katastrophe für die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents“, erklärt Peter Piot, Direktor der UN-Organisation zur Bekämpfung der Immunschwäche, UNAIDS. Die Krankheit reißt die Menschen aus dem Arbeitsleben, wenn sie am produktivsten seien. Die Bekämpfung der Epidemie beschränkt sich längst nicht mehr auf Risikogruppen oder Prävention. Auf der „Aids 2000 Konferenz“ im südafrikanischen Durban geht es um die Frage, wie Gesellschaften überleben können, in denen die Immunschwäche sowohl das Wirtschaftsystem als auch die traditionelle soziale Ordnung ins Wanken bringt. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO warnt in ihrer jüngst veröffentlichen Studie „Aids und Arbeitsmarkt“ vor einem drastischen Rückgang an qualifizierten Arbeitskräften weltweit und insbesondere in Schwarzafrika, wo 23 Millionen der insgesamt 33,6 Millionen Menschen leben, die mit dem HIV-Virus infiziert sind. Die Prophezeiungen sind düster: Aids werde zu einer Zunahme von Kinderarbeit führen, mühsam erkämpfte Frauenrechte aufweichen, die Anzahl der Frührentner in die Höhe treiben, die Kaufkraft von Familien drastisch senken und die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber erhöhen. Nach Angaben der Studie werden im Jahr 2020 in den Ländern Botswana, Kamerun, Äthiopien, Elfenbeinküste, Kenia, Haiti, Malawi, Mosambik, Namibia, Nigeria, Südafrika, Tansania, Thailand, Uganda und Simbabwe 24 Millionen Menschen weniger auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. „Angesichts dieser Berechnungen haben einige Unternehmen schon damit angefangen, zwei bis drei Kandidaten für dieselbe Position anzuheuern, um sich so gegen den Verlust eines Angestellten durch Aids zu schützen“, heißt es in dem Bericht. Unternehmen und Organisationen dämmerte, dass der Umgang mit einer steigenden Zahl von HIV-infizierten Arbeitnehmern zu einem bestimmenden Faktor im Arbeitsleben werde. In Südafrika, wo sich täglich 1.500 Menschen mit dem tödlichen Virus infizieren, ist nach vorsichtigen Schätzungen jeder fünfte Minenarbeiter HIV positiv. In Tansania wird sich nach Angaben der Weltbank in den nächsten zehn Jahren das Bruttosozialprodukt um vermutlich 15 bis 25 Prozent verringern. In allen Ländern, in denen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung mit dem HIV-Virus infiziert sind, haben sich die Preise für Lebens- und Krankenversicherungen stark erhöht, in Simbabwe sogar vervierfacht. Die Konsequenzen für die Agrarproduktion sind gravierend. Denn in der Zeit, wo die Angehörigen den Kranken versorgen, liegen die Felder brach, was landesweit zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Versorgung führt. Verstirbt das männliche Familienoberhaupt, sehen sich viele Aidswitwen zudem auf einen Schlag krasser Armut ausgesetzt, weil sie aufgrund der Vorherrschenden Tradition nicht erbberechtigt sind oder kein Land besitzen dürfen. „Glaube und Tradition ändern sich nur sehr langsam“, erklärt die südafrikanische Anthropologin Susanne Leclerc-Madlala. In ländlichen Gebieten stoße man immer noch auf eine „Mauer des Schweigens“. Kampagnen gegen das „stille unsichtbare Leiden“ hätten deshalb nur geringe Erfolgschancen.

Vorbild Uganda
Ausgerechn
et aus einem kleinen Dorf im Südwesten von Uganda könnte Hilfe kommen. In der Ortschaft Kisizi, in der ein britischer Missionsarzt bereits 1958 eine Krankenstation gründete, besann man sich auf traditionsreiche Einrichtung der „Engozi“, um eine Art dörfliche Krankenversicherung aufzubauen. In den „Engozi“ haben sich jeweils mehrere Familien zusammengeschlossen, um für ihre Mitglieder die Kosten einer Beerdigung erträglicher zu machen. Für einen Monatsbetrag von 12 Cent sind die Kosten für den Sarg, den Transport des Toten in sein Heimatdorf sowie die Speisung der Trauergemeinde abgedeckt. Das „Kisizi Hospital“ will nun die Beerdigungsgesellschaften für den Aufbau einer Gemeindegetragenen Krankenversicherung gewinnen. Bereits 10.000 Menschen sind dem Versicherungssystem beigetreten, jede vierte der 300 „Engozi“ aus der Region macht mit. Eine vierköpfige Familie zahlt zum Beispiel einen Monatsbeitrag in Höhe von rund 1,50 €; dazu kommt eine Eigenbeteiligung im Krankheitsfall. Sie beträgt für ambulante Patienten knapp 0,75 €, bei stationärer Behandlung muss der Kranke rund 3,50 € für die Aufnahme bezahlen. Uganda gilt als Modell der erfolgreichen Aids-Bekämpfung in Afrika. Schon bei der elften afrikanischen Aids-Konferenz vergangenen September in Sambia beeindruckte das Land mit seinen positiven Zahlen. Seit 1993 ist die HIV-Infektionsrate nach Angaben der Regierung Ugandas von zehn auf sieben Prozent gesunken, in der Hauptstadt Kampala fiel sie sogar von 30 auf 12 Prozent. Der Erfolg beruhe auf der Mobilisierung der Gemeinden, öffentlichen Informationskampagnen und der Enttabuisierung des Themas bis hinein in die Familien, erklärte damals ein Regierungssprecher. In diesem Jahr will Uganda mit Hilfe von Gesundheitsberatern, die von Tür zur Tür gehen und kostenlose Aidstests anbieten, die Ausbreitung der Epidemie weiter eindämmen. Bisher wurden kostenlose Tests nur Schwangerschaftsuntersuchungen im Krankenhaus vorgenommen. Außerdem entwickelten und testeten Mediziner an der Makerere-Universität in Kampala ein Medikament, das bei Neugeborenen das Infektionsrisiko durch HIV-infizierte Muttermilch drastisch verringert und zudem geringe Herstellungskosten aufweist. Die „Aids 2000 Konferenz“ in Durban könnte trotz politischer und wissenschaftlicher Polemik noch zu einem Erfolg in Kampf gegen die tödliche Immunschwäche werden.

Wer ist HIV-positiv?
Werden doch ausnahmsweise so genannte Anti-HIV-Antikörpertests durchgeführt, liefert der Mangel an Standardisierung beim Testen und in der Interpretation der Testresultate fragwürdige Ergebnisse. Derzeit sind über 70 Erkrankungen oder Situationen bekannt, welche die „AIDS-Tests“ positiv ausfallen lassen können. Darunter finden wir Malaria, Bluttransfusionen, parasitäre Infektionen, Schutzimpfungen und Schwangerschaft. Die aktuellen Schätzungen der WHO in Bezug auf HIV-Infektionen – auch für Afrika – basieren jedoch auf den Ergebnissen dieser unspezifischen und unzuverlässigen Tests. Sie werden bei einer kleinen Gruppe von Menschen, häufig bei so genannten Risikogruppen, durchgeführt. Auf diesen Daten aufbauend wird dann die Verbreitung des HIV in der Gesamtbevölkerung geschätzt. Aus der so erhaltenen Schätzung von 23,3 Millionen Menschen mit HIV/AIDS in Afrika werden schließlich Forderungen abgeleitet, wie zum Beispiel 1 Milliarde US-Dollar, welche die afrikanische Länder pro Jahr für fragwürdige einseitige Präventionsmaßnahmen aufbringen sollen. Hinzu kommt, dass so genannte positive Testresultate nicht weltweit als solche anerkannt werden. Vielmehr werden gleiche Testresultate in verschiedenen Ländern und Institutionen verschieden interpretiert. Testpositiv in Afrika bedeutet noch lange nicht testpositiv in einem anderen Land.


Woher kommen die Informationen über AIDS in Afrika?
Die meisten wissenschaftlichen Informationen zu HIV/AIDS und Ratschläge darüber, was zu tun sei, kommen aus den USA und zum Teil aus Europa bzw. von Organisationen, welche voreingenommen von dort aus operieren. Damit sind besonders Entwicklungsländer von den Industrieländern abhängig, wenn es um Belange in ihrem eigenen Land geht. Oder andersherum: Die Industrieländer haben sich mit dem Argument AIDS ein Mitsprachrecht in den internen Belangen der Entwicklungsländer wie der Budgetverteilung und Bewertung der Prioritäten im Gesundheitswesen gesichert. Auf eindrückliche Weise hat der voreingenommene internationale Protest auf Initiative des südafrikanischen Präsidenten, kritische Fragen zu stellen, gezeigt, dass Entwicklungsländern kein Recht zugestanden wird, dieses Konzept zu verändern oder eigene Überlegungen einzubringen. Diese Monopolisierung der Informationen und die Kontrolle der Medien ermöglichen Manipulationen, welche Erinnerungen an kolonialistische Zeiten wach werden lassen. Darunter fällt auch die aktuelle Entscheidung der USA, AIDS in Bezug auf Afrika als Gefährdung der eigenen nationalen Sicherheit einzustufen. Die Menschen in Afrika benötigen unsere Hilfe und Unterstützung. Hierfür ist es weder hilfreich noch zielführend, wenn schlechte Wissenschaft, falsche Daten und absurde Definitionen eingesetzt werden, um die Bevölkerung zu täuschen und von den tatsächlichen Problemen des Kontinents abzulenken. Diese liegen auch in der großen Häufigkeit an bekannten und behandelbaren Infektionskrankheiten, im Wesentlichen bedingt durch den von uns Mitverursachten niedrigen Lebensstandard.


Geschrieben von: Marina Kohnke & Jeanette Bastian


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