Definition
AIDS ist die Abkürzung für Acquired Immuno Deficiency
Syndrome (Erworbenes Immundefekt-Syndrom), HIV für Human Immunodeficiency
Virus (Humanes Immundefizienz-Virus). Die HIV-Erkrankung verläuft
in mehreren Stadien:
Sechs Tage bis sechs Wochen nach erfolgter Ansteckung mit dem HI-Virus
kann es zum Auftreten der sog. akuten HIV-Erkrankung kommen. Die
Symptome sind unspezifisch und denen eines grippalen Infektes ähnlich.
Die akute HIV-Infektion klingt in der Regel nach einigen Tagen folgenlos
ab.
Es folgt ein krankheitsfreies Intervall von mehreren Jahren bis Jahrzehnten,
in dem die Infektion lediglich durch Blutuntersuchung frühestens
6-8 Wochen nach der Infektion nachweisbar ist. In dieser Situation "ruht" die
HIV-Infektion jedoch nicht, wie man früher annahm; vielmehr
handelt es sich um ein sehr dynamisches Geschehen, bei dem jeden
Tag Milliarden neuer Viren entstehen bzw. abgetötet werden.
Später kommt es in der Vorstufe der AIDS-Erkrankung zunehmend
zu typischen Infektionen. Das Vollbild der AIDS-Erkrankung ist durch
Gewichtsabnahme, schwere Infektionserkrankungen und bestimmte Krebsarten
definiert. Durch gezielt gegen die Vermehrung des HI-Virus wirkende
- so genannte antiretrovirale- Medikamente kann der Ausbruch bzw.
das Fortschreiten der HIV-Infektion heutzutage sehr lange hinausgezögert
werden.
Häufigkeit
Zu Beginn der 80er Jahre kam es zunächst vorwiegend bei homosexuellen
Männern in Kalifornien und New York zum Auftreten einer bis
dahin unbekannten Erkrankung. 1984 wurde das HI-Virus als Krankheitsauslöser
identifiziert und AIDS als Syndrom verschiedener Erkrankungen gleicher
Ursache definiert. Weltweit sind bisher seit Ausbruch der Pandemie
mehr als 60 Millionen Menschen mit HIV infiziert worden. Zum jetzigen
Zeitpunkt leben etwa 39,4 Mio. Menschen mit dem HI-Virus (Stand:
Dezember 2004). Im vergangenen Jahr haben sich weltweit ca. 4,9 Mio.
Menschen neu mit HIV infiziert. Rund 3,1 Mio. Menschen sind 2004
an den Folgen ihrer HIV-Infektion verstorben, davon allein 2,3 Mio.
in Afrika. So ist AIDS denn auch in den südlich der Sahara gelegenen
afrikanischen Staaten bereits Todesursache Nummer 1 geworden.
Weltweit ist AIDS mittlerweile unter den fünf häufigsten
Todesursachen. In Deutschland haben sich seit Beginn der Verbreitung
von HIV etwa 67.500 Menschen infiziert, davon sind 23.500 Menschen
verstorben. Zurzeit leben rund 44.000 Menschen mit einer HIV-Infektion
bei uns, davon 34.000 Männer und 9.500 Frauen. Diese Zahl nimmt
jährlich zu, da durch die verbesserten Therapiemöglichkeiten
immer weniger Menschen an AIDS sterben. Nach wie vor findet am häufigsten
die Ansteckung mit HIV durch gleichgeschlechtlichen Sex zwischen
Männern statt.
Jede zweite Infektion trifft homosexuelle Männer. Mittlerweile
infizieren sich Heterosexuelle öfter als i.v.-Drogenabhängige,
die früher als die zweitgrößte Betroffenengruppe
galten. Zurzeit leben rund 5.000 HIV-Infizierte in Deutschland mit
der Diagnose AIDS, d.h. bei ihnen hat die HIV-Infektion zu einer
derartigen Schwächung des Immunsystems geführt, dass bestimmte
Krankheiten (so genannte AIDS-definierende Erkrankungen) bereits
aufgetreten sind. Die Übertragung kann durch Blut oder Blutprodukte,
sexuell, beim Drogengebrauch oder durch Mutter-zu-Kind-Übertragung
(während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder durch das
Stillen) erfolgen.
| HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen in Deutschland |
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Menschen, die Ende 2004 mit HIV leben:
~ 44.000 |
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Männer: ~ 34.000 |
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Frauen: ~ 9.500 |
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Kinder: ~ 300 |
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darunter Menschen,
die mit AIDS leben: ~ 5.000 |
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Zahl der Neuinfektionen im Jahr 2004:
~ 2.000 |
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Männer: ~ 1.600 |
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Frauen: ~ 400 |
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Kinder: ~ 20 |
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Infektionswege: |
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Homosexuelle Kontakte bei Männern
55% |
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Herkunft aus Hochprävalenzgebieten
(z. B. Migranten) 21% |
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Heterosexuelle Kontakte 15% |
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Mutter-Kind-Transmission 1% |
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Neue AIDS-Erkrankungen im Jahr 2004:
~ 700 |
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Männer: ~ 500 |
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Frauen: ~ 150 |
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Kinder: weniger als 5 |
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HIV/AIDS-Todesfälle im Jahr 2004:
~ 700 |
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Gesamtzahl der HIV-Infizierten seit
Beginn der Epidemie: ~ 67.500 |
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Gesamtzahl der HIV-Infizierten seit
Beginn der Epidemie: ~ 28.000 |
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Männer: ~ 24.300 |
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Frauen: ~ 3.600 |
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Kinder: weniger als 150 |
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Gesamtzahl der HIV/AIDS-Todesfälle
seit Beginn der Epidemie: ~ 23.500 |
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HIV
und AIDS weltweit (Stand: Dezember 2004) |
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total |
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39,4 Millionen |
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HIV-Infizierte 2004 |
Erwachsene |
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37,2 Millionen |
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Kinder unter 15 Jahren |
2,2 Millionen |
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total |
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4,9 Millionen |
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Neuinfektionen 2004 |
Erwachsene |
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4,3 Millionen |
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Kinder unter 15 Jahren |
640.000 |
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total |
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3,1 Millionen |
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AIDS-Tote 2004 |
Erwachsene |
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2,6 Millionen |
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Kinder unter 15 Jahren |
510.000 |
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Aktuelles
AIDS ist nach wie vor hauptsächlich eine Erkrankung der Zweiten
und Dritten Welt. Lediglich 1,6 Millionen der etwas über 39
Millionen lebenden HIV-infizierten Menschen sind Bewohner der westlichen
Industriestaaten. Nur dieser kleine Anteil hat auf Grund funktionierender
Gesundheitssysteme die Möglichkeit, eine dem aktuellen wissenschaftlichen
Standard entsprechende Therapie zu erhalten. Die Fortschritte der
Forschung, namentlich die zügige Entwicklung immer neuer Medikamente
hat zu einer erheblichen Lebenszeitverlängerung der Betroffenen
geführt: das Auftreten von AIDS wird hinausgezögert, die
Krankheit ist behandelbar geworden. Die HIV-Infektion wandelt sich
dadurch von einer akuten Lebensbedrohung zu einer chronischen Erkrankung,
die bei gut funktionierender Therapie auch über Jahre nur wenige
Einschränkungen mit sich bringt. Diese erfreuliche Situation
führt aber gerade in den reichen Ländern zu einer deutlichen
Abnahme der Vorsichtsmaßnahmen (safer sex u.Ä.); die Menschen
wähnen sich scheinbar in Sicherheit. AIDS ist aber weiterhin
eine tödliche Krankheit, HIV-Infektion und/oder AIDS können
nach wie vor zu großen körperlichen, psychischen, psychosozialen
und wirtschaftlichen Problemen führen.
Völlig anders ist die Situation z.B. in Afrika. Man schätzt,
dass dort zur Zeit ca. 26 Millionen Menschen infiziert sind. AIDS
ist mittlerweile für eine Reihe von Staaten zur Existenzfrage
geworden. Manche Menschen bezeichnen AIDS als eine Armutserkrankung.
Eine derartige gefährliche Behauptung wurde vor einigen Jahren
auch in Deutschland unter dem Stichwort "Die AIDS-Lüge" verbreitet.
Durch ein mittlerweile vorhandenes genaues Verständnis der HIV-Infektion
und AIDS ist die Unhaltbarkeit solcher Äußerungen längst
bewiesen.
Historisches
1980
Im Laufe des Jahres 1980 traten vor allem in Los Angeles, New York
und San Francisco Krankheiten bzw. Krankheitsverläufe auf,
die es in dieser Form vorher nicht gegeben hatte. Es waren zunächst
ausschließlich homosexuelle Männer betroffen. Die Betroffenen
litten unter dem Befall von Parasiten, unter dem Kaposi-Sarkom
oder einer speziellen Lungenentzündung, der Pneumocystis-carinii-Pneumonie.
Bei Blutuntersuchungen zeigte sich, dass der Anteil der T-Helferzellen
- das sind bestimmte Leukozyten, die eine besondere Rolle bei der
Immunabwehr spielen - von normalerweise 4000 bis 6000 pro µl
Blut teilweise bis auf nahezu Null gesunken war. Das bedeutete
(und bedeutet) eine nachhaltige Schwächung der lebensnotwendigen
Immunabwehr. Dies führt dazu, dass schwere Krankheiten auftreten
können.
Zur gleichen Zeit erregten ähnliche Fälle im Jahr 1977
in Kopenhagen und 1978 in Paris, wenn auch verspätet, die notwendige
Aufmerksamkeit. 1980 suchte ein frankokanadischer Airline-Steward
wegen eines auffälligen braunen Flecks auf seiner Haut einen
Arzt auf. Auf intensives Befragen hin wurde bekannt, dass er in großen
Teilen der Welt über viele Jahre hinweg häufig homosexuellen
Geschlechtsverkehr hatte.
Im Jahr 1980 wurden rund 80 Fälle dieser neuen Krankheit mit
etwa 26 Toten erfasst.
Die staatliche Gesundheitsbehörde der USA begann, die Ursachen
dieser Erkrankung zu untersuchen. Es gab zahlreiche Hypothesen und
Theorien, aber keine schlüssigen Beweise. Zu diesem Zeitpunkt
glaubte man, dass nur homosexuelle Männer von der Krankheit
betroffen waren. Es setzte eine geradezu kriminalistische Suche nach
Informationen und Kontaktpersonen zu bereits Infizierten bzw. Erkrankten
ein. Später wurde der oben erwähnte Steward als "Patient
0", also als der Erstinfizierte, bezeichnet.
1981
Im Laufe des Jahres 1981 gab es erste ernsthafte Hinweise darauf,
dass ein Virus Verursacher der Krankheit sein könnte und z.B. über
Spermien und Blut übertragen wird. Aber ein wissenschaftlich
eindeutiger Beweis war damals nicht zu erbringen.
Mittlerweile waren 125 Fälle bei einer Sterblichkeit von über
40 % bekannt geworden. Die Krankheit wurde in dieser Zeit als "Schwulenkrebs" oder "Schwulenpneumonie" bezeichnet.
Auch in anderen Ländern traten vermehrt Erkrankungen auf, so
in Frankreich, wo es in jenem Jahr ca. 20 Todesfälle gab.
1982
Große Verwirrung entstand, als in Miami (US-Bundesstaat Florida)
Haitianer erkrankten, die nicht homosexuell waren; außerdem
erkrankten in New York Neugeborene und Bluterkranke an dieser rätselhaften
Krankheit. Mittlerweile waren über 400 Erkrankungsfälle
bei 270 Toten registriert. Die Krankheit schien epidemische Ausmaße
anzunehmen.
Die Öffentlichkeit reagierte teilweise extrem hysterisch. Als
Verursacher für diese unerklärliche Krankheit wurden medizinische
Experimente des CIA oder des KGB, antihomosexuelle Rechtsradikale
oder sogar UFOs genannt. Streng Religiöse nannten die Krankheit
eine Strafe Gottes für das ihrer Meinung nach sündige Verhalten
der Homosexuellen.
Allmählich war man sich in Fachkreisen zunehmend darüber
einig, dass der Erreger ein Virus sein müsse, das über
Spermien und Blut übertragen werde. Es wurde daher gefordert,
die Homosexuellen-Saunen in Los Angeles und San Francisco, in denen
Sexualität mit häufig wechselnden Partnern praktiziert
wurde, zu schließen sowie Homosexuelle nicht mehr als Blutspender
zuzulassen.
Diese beabsichtigten Maßnahmen trafen auf den erbitterten
Widerstand der Homosexuellenbewegung, die eine erneute Diskriminierung
fürchtete
und gerade dabei war, sich im puritanischen Amerika zu emanzipieren.
Auch Firmen, die Blutprodukte herstellten, lehnten unspezifische
Kontrollen aus Kostengründen ab. Einen dem heutigen Standard
entsprechenden Test konnte es damals nicht geben, da das Virus noch
nicht identifiziert war.
Mittlerweile fahndeten neben vielen Instituten auch Luc Montagnier
vom Pasteur-Institut in Paris und der amerikanische Virusforscher
Robert Gallo nach dem Erreger.
1983/1984
Im Oktober 1984 wurde das Virus von Montagnier am Pasteur-Institut
in Paris zweifelsfrei identifiziert. Aber auch Gallo aus den USA
beanspruchte für sich die Ehre, es entdeckt zu haben. Eine
in der Wissenschaft nicht neue, aber unerfreuliche Kampagne unter
den beiden Instituten und Personen entstand. Nach einem Treffen
in Paris wurde eine Einigung erzielt und beiden Teilen, also sowohl
Gallo als auch dem Pasteurinstitut, der Verdienst der Virus-Identifikation
zugesprochen. Beide Institute veröffentlichten zu verschiedenen
Aspekten des Virus in der Zeitschrift "Science" mehrere
Artikel.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren 4100 Menschen erkrankt und 2900 verstorben.
Die Krankheit erhielt jetzt offiziell den Namen "AIDS - Acquired
Immuno Deficiency Syndrome", also "Erworbenes Immundefekt-Syndrom".
1985
Im Jahre 1985 wurde endlich ein Testverfahren entwickelt und der Öffentlichkeit
vorgestellt. Es gestattete den Nachweis von Antikörpern, die
das Immunsystem der Infizierten gegen das Virus gebildet hatte. Zu
diesem Zeitpunkt waren in den USA bereits 6300 Menschen an der Krankheit
verstorben. Im November 1985 fand der erste große AIDS-Schweigemarsch
zum Gedenken an die vielen Opfer dieser Krankheit statt.
1986
Mit AZT, einem Nukleosidanalogon, stand erstmals ein ursächlich
gegen das Virus und seine Folgen wirkendes Medikament zur Verfügung.
Es konnte die Krankheit zwar nicht heilen, hemmte aber die Vermehrung
der Viren und wirkte so lebensverlängernd für die Patienten.
1996
Das Jahr der Hoffnungen: Auf dem Welt-AIDS-Kongress in Vancouver
(Kanada), wurde die Revolution der AIDS-Therapie gefeiert. Klinische
Studien des Virologen David Ho hatten gezeigt, dass durch die gleichzeitige
Einnahme verschiedener Medikamente die Viren in dem Blut der Betroffenen
kaum noch nachweisbar waren. Eine zweite Medikamentenklasse stand
nunmehr zur Verfügung, so dass HIV ab jetzt von verschiedenen
Seiten attackiert werden konnte: die so genannten Protease-Hemmstoffe.
1998
Eine internationale Kooperation von Wissenschaftlern veröffentlichte
im Februar 1998 eine Nachuntersuchung alter Blutproben aus afrikanischen
Krankenhäusern, die die letzten Gerüchte über ein
künstlich in Umlauf gesetztes HI-Virus ausräumen sollten.
In einer Blutprobe von 1959, die aus dem Kongo stammte, wurden eindeutig
Fragmente des HIV-1-Virus gefunden. Anhand von Evolutionsstudien
- durch Vergleichen mit den heutzutage im Umlauf befindlichen Subtypen
von HIV-1, konnten die Forscher das erstmalige Auftreten des Virus
auf die 30er Jahre terminieren. Wahrscheinlich ist das Virus durch
eine Übertragung des SI-Virus, eines Affenvirus, vor allem durch
Schimpansen auf den Menschen zur Verbreitung gekommen.
Auch der Ursprung des in Afrika häufigeren HIV-2-Virus wird
zu diesem Zeitpunkt vermutet. Das Virus trat demnach erstmalig zu
einer Zeit auf, zu der die molekularbiologischen Verfahren noch nicht
entwickelt waren, um ein Virus künstlich herzustellen oder ein
bestehendes zu verändern.
1999/2000
Jahre der Ernüchterung: Zwei Jahre nach der Euphorie auf dem
Kongress von Vancouver zeigte sich eine erhebliche Ernüchterung
bezüglich der Erfolge einer AIDS-Therapie. Mittlerweile war
durch Langzeitstudien klar geworden, dass eine dauerhafte Eliminierung
von HIV nicht gelingen würde. Zwar sinkt die Zahl der Viruspartikel
im Blut ("Viruslast") unter der modernen Therapie erheblich
ab, häufig sogar unter die Nachweisgrenze. Die Viren sind also
mit den heutigen technischen Mitteln nicht mehr zu entdecken, sind
aber dennoch in geringer Konzentration weiter vorhanden. Nach Absetzen
der Therapie vermehren sie sich sofort wieder und werden dann auch
wieder nachweisbar. Erheblich reduziert werden konnte mit der Mehrfach-Therapie
die Fähigkeit von HIV, resistent gegen die Medikamente zu werden.
Dennoch ist diese Gefahr nicht gebannt; sie tritt insbesondere dann
auf, wenn die Patienten das strenge Einnahmeschema nicht einhalten
(können). Aus diesem Grund ist sehr genau und individuell zu
klären, wann der günstigste Zeitpunkt für den Beginn
einer Therapie ist und welche Substanzen dem einzelnen Patienten
am ehesten entsprechen.
2001/2002
Im Mai des Jahres 2002 wurden vom Robert Koch-Institut in Berlin
die neuesten Zahlen veröffentlicht: Im Jahre 2001 gab es in
der Bundesrepublik Deutschland rund 2.000 Neuinfektionen mit dem
HI-Virus. Insgesamt litten in diesem Jahr 38.000 Menschen, davon
ca. 8.300 Frauen, an Aids bzw. waren mit HIV infiziert. Weniger
als 400 Kinder waren betroffen. Insgesamt waren im Jahr 2001 rund
600 Menschen an der Erkrankung verstorben. Von den Neuinfizierten
waren rund 38 % homosexuelle Männer, gefolgt von Menschen
aus Ländern mit einer hohen Infektionsrate.
2002/2003
Vom 7. Juli bis zum 12. Juli fand in Barcelona/Spanien die 14. Weltaidskonferenz
mit rund 15.000 Teilnehmern statt. Es wurden vor allem politische
Fragestellungen diskutiert, so u.a. die hohen Infektionsraten in
den Entwicklungsländern und Möglichkeiten diese zu senken.
Der Kongress forderte daher die Ausgaben für die Aidsbekämpfung
von jetzt rund 3 Milliarden US-Dollar jährlich auf mindestens
10 Milliarden zu erhöhen. Außerdem wurde ein neues Aidsmittel
vorgestellt, das das Virus bereits vor seinem Eindringen in die
Zellen der menschlichen Immunabwehr bekämpfen soll anstelle
der bisherigen Mittel, die erst innerhalb der menschlichen Immunzellen
wirksam werden. Das Pharmakon mit dem Arbeitstitel T-20 und dem
Wirkstoff Enfuvirtide gehört somit zur Klasse der Entry-Inhibitoren
genauer: Fusionshemmer). In der EU wurde es im Mai 2003 zugelassen.
Enfuvirtide ist der erste Vertreter einer neuen Substanzklasse,
mit der man sich gerade bei der "Salvage-Therapie" Erfolge
erhofft(e): Bis heute ist er eine von wenigen Behandlungsmöglichkeiten,
sobald resistente HI-Viren bei Therapieversagen und mehreren Vorbehandlungen
vorliegen.
2004
In klinischer Entwicklung sind Integrase-Hemmer und therapeutische
Impfungen gegen HIV-Infektionen. Integrase-Inhibitoren sollen das
HIV-eigene Enzym Integrase blockieren, welches die umgeschriebene
Virus-RNA in die menschliche DNA einbaut.
Inkubationszeit
Als Inkubationszeit (Latenzzeit)
wird der Zeitraum bezeichnet, der zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers
in einen Organismus
und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome, die von diesem Erreger
hervorgerufen werden, liegt. Sie ist bei einer HIV-Infektion sehr
variabel und kann zwischen einigen Monate bis über 15 Jahren
(so genannte long-term-survivors) betragen. Die Latenzzeit hängt
von vielen individuellen Faktoren ab: Funktionieren der Therapie,
Lebensstil, psychische Situation, Re-Infektionen mit HIV, Begleiterkrankungen
usw.
Ursachen
AIDS wird durch ein einzelsträngiges RNA-Virus verursacht,
das nach der internationalen Nomenklatur den Namen Human Immuno Deficiency
Virus (HIV) trägt und zur Gruppe der Retroviren gehört.
Die Retroviren wiederum sind "Mitglied" der Familie der
Lentiviren. Für diese Viren ist charakteristisch, dass es bisher
noch nie gelungen ist, sie nach erfolgter Infektion wieder vollständig
aus dem Körper zu eliminieren, und der Zeitraum zwischen Ansteckung
und Ausbruch der Krankheit (Latenzzeit) relativ lang ist. Es gibt
vor allem zwei Arten von HIV: HIV-1 kommt weltweit vor, HIV-2 dagegen
hauptsächlich in West-Afrika.
Die beiden Virus-Typen unterscheiden
sich in ihrer RNA-Sequenz und in ihrer Virulenz. So ist HIV-2 dem
SIV ("Affen-AIDS-Virus")
der Grünen Meerkatzen genetisch ähnlicher, HIV-1 ist dem
SIV der Schimpansen genetisch ähnlicher als es beide HIV-Typen
untereinander sind. Mithilfe hochspezieller molekularbiologischer,
statistischer und mathematischer Verfahren konnte man auf einen Übertritt
eines SIV-Subtypen auf den Menschen in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts, wahrscheinlich um 1930, schließen. Damit
sind alle irrationalen Erklärungsversuche (HIV entwickelt im
Geheimlabor von CIA oder KGB usw.) widerlegt.
Damit das HI-Virus eine
menschliche Zelle befallen und zerstören
kann, bedarf es bestimmter Oberflächenstrukturen (Rezeptoren)
auf den Zellen. An diese Rezeptoren können Hüllproteine
von HIV (gp 160, siehe Abb.) nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip
binden. Bestimmte Zellen des Immunsystems weisen solche Rezeptoren
auf; es sind dies die so genannten T-Helfer-Zellen, Langerhans-Zellen
der Haut und Makrophagen, aber auch bestimmte Gehirn-Zellen; sie
sind die "Wirtszellen" von HIV. Unter Makrophagen versteht
man die "Fresszellen" des Organismus, die u.a. für
die Vernichtung von Bakterien verantwortlich sind. Die T-Helfer-Zellen
haben für die Koordination und die Effektivität des Immunsystems
eine zentrale Bedeutung; sind sie in ihrer Anzahl erheblich reduziert,
kann das Immunsystem seine Aufgaben nicht mehr erfüllen.
Retroviren haben ein Genom (genetischer Informationsträger),
das aus RNA besteht. Sie besitzen eine Reverse Transkriptase, d.h.
ein Enzym, welches die Virus-RNA in DNA umschreiben kann. Dieser
Schritt ist notwendig, damit die HIV-Erbinformation in das Genom
der menschlichen Zelle eingebaut werden kann.
Übertragungsweg
Das HI-Virus wird durch Blut
und Sexualkontakte übertragen.
Besonders gefährdet sind daher Menschen, die ungeschützten
Geschlechtsverkehr haben oder Fixer, die benutzte Spritzen tauschen
("needle-sharing"). Das Infektionsrisiko für Menschen,
die Bluttransfusionen oder Blutprodukte benötigen, ist mittlerweile
auf Grund verschiedener Vorsichtsmaßnahmen extrem gering. Hält
man bestimmte Verhaltensmaßregeln ein, lässt sich die
Gefahr einer Ansteckung stark minimieren.
Symptome
Wichtig ist die Unterscheidung
von HIV und AIDS. Mit HIV wird das Virus bezeichnet, das nach einer
variablen Latenzzeit (s.o.) zum
Krankheits-Syndrom AIDS führen kann. Das bedeutet, dass ein
HIV-infizierter Mensch völlig gesund sein kann, nämlich
genau so lange, bis er an einer "AIDS-definierenden Krankheit" erstmalig
erkrankt. Diese AIDS-definierenden Krankheiten sind in einem eigenen
Abschnitt (s.u.) aufgeführt. Ist die Krankheit erfolgreich behandelt
worden, findet dennoch keine "Rückstufung" statt.
Zu beachten ist, dass diese Definitionen von Menschen gemacht sind.
Kategorisierungen sind dann richtig, wenn sie für Eindeutigkeit
sorgen, nicht jedoch, wenn sie Menschen schaden können. In unserer
Gesellschaft ist der Begriff "AIDS" mitunter immer noch
negativ behaftet. Um Diskriminierungen zu umgehen, sprechen die Behandler
heute ganz allgemein von HIV-Patienten, unabhängig vom Stadium
ihrer HIV-Infektion.
Stadieneinteilung
Seit 1993 ist die Stadieneinteilung
präzisiert worden, indem
nach einer stattgefundenen HIV-Infektion drei Stadien unterschieden
werden. Diese Klassifikation entstammt den Centers for Disease Control
(CDC), der amerikanischen Bundesbehörde für Infektionskrankheiten
und Prävention. Je nach bereits aufgetretener Erkrankung werden
zur Stadieneinteilung die Großbuchstaben A, B oder C verwendet.
Nach der Zahl der noch vorhandenen T-Helferzellen wird dem jeweiligen
Buchstaben ein Zahlenwert zugewiesen, so dass eine Klassifizierung
von A1 bis C3, also eine 3x3-Matrix entsteht. Bei mehr als 500 T-Helferzellen/µl
Blut wird eine 1 hinzugefügt, bei 200-499 Zellen eine 2 und
bei weniger als 200 eine 3. Auf Grund der guten Behandlungsmöglichkeiten
wird von einigen Experten neuerdings der Sinn dieser Klassifizierung
wieder in Frage gestellt.
A: HIV-positiv, Neuinfektion und/oder asymptomatisch
Als HIV-positiv wird jede Person bezeichnet, bei der HIV direkt oder
indirekt aus dem Blut nachgewiesen wurde. Asymptomatisch bedeutet,
dass keine subjektiven Beschwerden vorliegen. In dieser Situation
kann sich das so genannte Lymphadenopathie-Syndrom (LAS) ausbilden,
das zu Lymphknotenvergrößerungen an verschiedenen Körperstellen
führt. Die Lymphknoten durchmessen dann mehr als 0,5 cm (außer
in der Leistenregion, hier sind sie normalerweise schon bis zu
1 cm groß!!) und sind nicht druckschmerzhaft. Unabhängig
davon kommt es 1-6 Wochen nach der Infektion in 70 % der Fälle
zur so genannten akuten HIV-Erkrankung, die ähnlich einem
grippalen Infekt verläuft und deshalb leicht mit ihm verwechselt
werden kann. Es treten allgemeine Symptome wie Müdigkeit,
Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfälle, Erbrechen, Appetitlosigkeit
und Fieber auf. Etwas spezieller sind Symptome wie Halsentzündung,
geschwollene Lymphknoten und ein Hautausschlag, der sich hauptsächlich
am oberen Körperstamm zeigt. Dabei treten bis zu 1cm große
Flecken verstreut auf, die auch etwas geschwollen sein können;
sie jucken entweder leicht oder gar nicht. Dieser Hautausschlag
verschwindet innerhalb von 1-2 Tagen wieder.
B: HIV-positiv, HIV-assoziierte Erkrankungen
Das mittlere Stadium einer HIV-Infektion hat folgende Symptome:
•
wiederholt Fieber über 38,5 °C, das keine andere Ursache
hat
•
Durchfälle (Diarrhö), die länger als einen Monat auftreten
und keine andere Ursache haben• Pilzbefall des Mund-Rachenraumes
(orale und/oder pharyngeale Candidiasis)
• Pilzbefall der weiblichen Genitalien (Vulva bzw. Vagina: chronisch
oder schwer therapierbar)
•
Gürtelrose an mehreren Stellen oder wiederholt auftretend (multisegmentaler
oder rezidivierender Zoster)
• Nervenerkrankungen an Armen und Beinen (periphere Neuropathien)
•
Gewebsveränderungen am Gebärmutterhals
•
weißliche, behaart wirkende Mundschleimhautveränderungen
(orale Haarleukoplakie)
• Infektion mit Listerien (spez. Bakteriengattung)
•
Bakterielle Blutgefäßinfektion (bazilläre Angiomatose)
•
Beckenentzündungen z.B. mit Abszess im Eileiter bzw. Eierstock
C: AIDS
Das Syndrom AIDS (früher auch "Vollbild AIDS" genannt)
ist gekennzeichnet bzw. definiert durch:
•
starken Gewichtsverlust (Wasting-Syndrom)
•
erhebliche Einschränkungen der Hirnfunktion, massive intellektuelle
Einbußen (HIV-Enzephalopathie)
•
Opportunistische Infekte durch Parasiten, Viren, Bakterien, Pilze
oder Protozoen mit Erkrankungen wie z.B. Tuberkulose, Toxoplasmoseinfektionen,
wiederholte Salmonellen-Septikämien, wiederholte bakterielle
Lungenentzündungen, Pneumocystis-carinii-Pneumonie, Pilzbefall
von Speiseröhre, Luftröhre, Bronchien oder der Lunge, Herpes-Infektionen/Geschwüre
in Lunge, Speiseröhre oder Magen.
•
CMV(Zytomegalievirus)-Infektion verschiedener Organe, besonders der
Netzhaut, aber auch generalisiert
•
von Vögeln übertragene Pilzinfektion außerhalb der
Lunge (extrapulmonale Kryptokokkose)
•
chronische Darminfektion mit einer Einzeller-Gattung (Kryptosporidiose)
•
Infektion mit so genannten atypischen Mykobakterien (verwandt mit
Tuberkulosebakterien)
•
Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), eine virusbedingte
Entmarkungskrankheit des Gehirns
•
durch HIV hervorgerufene bösartige Erkrankungen wie das Kaposi-Sarkom,
bösartige Lymphome, Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
Ein klinisches Beispiel: Ein 36-jähriger Mann ist seit 6 Jahren
HIV-positiv. Ende 1999 trat bei ihm zum ersten Mal ein Befall der
Wangen- und Rachenschleimhaut mit einem Hefepilz auf. Die T-Helferzellzahl
lag zu diesem Zeitpunkt bei 190/µl Blut. Ansonsten war der
Mann immer gesund. Seit Sommer 2000 führt der Patient eine antiretrovirale
Therapie (ART) durch; infolgedessen ist die Zahl der T-Helferzellen
auf 320/µl angestiegen. Bei dem beschriebenen Patienten liegt
eine HIV-Infektion im Stadium B3 nach CDC vor.
Diagnose
Bevor es eine Therapie gegen das Virus gab, machte
es für eine
infizierte Person kaum einen Unterschied, ob sie von ihrer Infektion
wusste oder nicht. Im Gegenteil: Das Wissen um eine Infektion führte
oft zu tiefer Verzweiflung und verminderter Lebensfreude, denn Hoffnung
auf Besserung gab es damals nicht. Wichtig war das Wissen jedoch
für das Verhalten gegenüber anderen Menschen. Aus diesem
Grund gab es in dieser Zeit erhebliche Diskussionen über das
Für und Wider eines Tests.
Seitdem jedoch mit den Fusions-, Protease- und Reverse Transskriptasehemmern
erfolgreiche Therapien zur Verfügung stehen, hat sich diese
Situation geändert.
Da der Erfolg einer Therapie nicht zuletzt davon abhängt, zu
welchem Zeitpunkt mit ihr begonnen wird, ist ein Test jetzt auch
für die Betroffenen von nicht unerheblicher Bedeutung und daher
generell beim Verdacht auf eine Infektion zu empfehlen. Er wird kostenfrei
und anonym bei den regionalen Gesundheitsämtern durchgeführt.
Der Test ist als Screening-Test ausgelegt und hat eine 96%ige Sicherheit
mit etwa 4% falsch positiven Ergebnissen. Ein negatives Ergebnis
dagegen bedeutet mit nahezu 100%iger Sicherheit, sich nicht infiziert
zu haben. Da ein positiver Test in 4 %, also in vier von hundert
Fällen falsch ist, wird bei einem positiven Ergebnis stets ein
weiterer genauerer und teurerer Test angeschlossen. Das Ergebnis
dieses zusätzlichen Tests ist dann ebenfalls nahezu 100%ig.
Bei einem positiven Testergebnis sollte man sich unbedingt in fachgerechte ärztliche
Betreuung begeben. Mittlerweile gibt es in jeder deutschen Großstadt
so genannte HIV-Schwerpunktpraxen, die sich fast ausschließlich
auf HIV und AIDS spezialisiert haben.
Neben dem geschilderten Nachweis der Antikörper gegen das HI-Virus
im Blut des Infizierten lässt sich das Virus auch selbst nachweisen.
Und nicht nur das, auch eine Bestimmung der Viruskonzentration ist
inzwischen möglich: hierbei wird die Anzahl von Viruskopien
pro Milliliter (ml) Blut gemessen. Dieser Wert wird als "Viruslast" bezeichnet.
Die Viruslast ist neben der T-Helferzellzahl ein wichtiger Verlaufsparameter
zur Beurteilung der Infektion. Das Verfahren hat den Nachteil, dass
ab einer bestimmten Untergrenze keine Viren mehr entdeckt werden
können. Dies heißt NICHT, dass keine Viren mehr da sind!
Ihre Konzentration ist aber so gering, dass ein Nachweis nicht mehr
gelingt. Diese Nachweisgrenze bei den modernsten heute verfügbaren
Verfahren liegt bei 20-50 Viruskopien pro ml Blut.
Therapie
HIV und AIDS sind wissenschaftlich gesehen
sehr junge Phänomene.
Die Forschungszeit geht jetzt erst ins dritte Jahrzehnt. Dies führt
immer wieder dazu, dass neue Erkenntnisse bald revidiert werden müssen
oder Uneinigkeit zwischen verschiedenen Forschergruppen besteht.
Allgemein akzeptiert ist, dass der Therapiebeginn in der Regel individuell
mit dem Patienten abzuklären ist. Zur Vermeidung von Resistenzentwicklung
muss von den Patienten eine große Einnahmetreue aufgebracht
werden ("Adhärenz"). Damit dies gelingen kann, ist
ein vertrauensvolles, offenes Verhältnis zwischen Arzt und Patient
unerlässlich.
Nur so können gemeinsam die Voraussetzungen
geschaffen werden, die dem Patienten eine große Therapietreue
ermöglichen. Denn: die beste Therapie kann nicht helfen, wenn
der Patient sie nicht nimmt!
Die Formel "Hit hard and early" - also ein sehr frühzeitiger
Therapiebeginn - ist überholt. Die Angst vor Resistenzentwicklung
nimmt mit der zunehmenden Zahl von unterschiedlich wirkenden Medikamenten
ab. Über 20 antiretrovirale Medikamente aus vier Substanzklassen
liegen zwischenzeitig vor. Dabei hat sich die Anzahl der täglich
einzunehmenden Tabletten erheblich reduziert. Ziel der Therapie muss
es also sein, das Auftreten einer symptomatischen HIV-Infektion so
lange wie möglich zu verhindern und mit ihr zu beginnen, ehe
schwere Immunschäden auftreten.
Therapeutische Ansätze
Die genaue Kenntnis der Biologie des Virus ermöglicht die gezielte
Entwicklung therapeutischer Strategien zur Hemmung der Virusvermehrung.
Die Virusvermehrung führt proportional zum Untergang von infizierten
Zellen und damit zu einer Schädigung des Immunsystems, in dessen
Folge dann AIDS auftreten kann. Mehrere Schritte kennzeichnen die
relativ komplexe HIV-Vermehrung und damit die Chance zu einer effektiven
Virusbekämpfung. Jeder der folgenden Schritte bietet bestimmte
Ansatzmöglichkeiten.
1. Andocken: Wie ein Schlüssel in ein Schloss gesteckt wird,
legt sich das HI-Virus mit seinen Oberflächenausläufern
- Glykoproteine - an die Rezeptoren der CD4-Zellen. Das Andocken
und die Vereinigung (Fusion) der Virushülle mit der Zellmembran
ist Voraussetzung für die Infektion der Zelle. Infolge dessen
kann es eine therapeutische Option sein, beides - die Andockung und
die Fusion - zu unterbinden. Mit den Fusionsinhibitoren gibt es jetzt
also eine neue Substanzklasse, die bei der Salvage-Therapie zum Einsatz
kommt: Sie eignet sich besonders für Patienten, deren Viren
auf Grund vielfacher Vorbehandlung multiresistent geworden sind,
weil sie einen völlig neuen Wirkungsmechanismus aufweisen.
2. Eindringen: Nach dem Eindringen in die Wirtszelle verliert das
Virus seine Hülle; die die Erbinformation enthaltende kernähnliche
Struktur löst sich auf; die HIV-Erbinformation wird dadurch
in die Zelle freigesetzt. Dieser Vorgang wird uncoating (Entmantelung)
genannt.
3. Umschreiben: Das Umschreiben der viralen RNA in DNA geschieht
mithilfe der bereits erwähnten Reversen Transkriptase (RT).
Die am längsten verfügbaren Substanzen hemmen diesen Vorgang
(Reverse Transkription). Dies geschieht dadurch, dass in die neu
entstehende DNA, die aus Nukleosiden aufgebaut wird, so genannte
Nukleosidanaloga eingefügt werden (NRTI). Diese sind den natürlichen
Nukleosiden ähnlich, führen aber zu einer Hemmung des Enzyms
Reverse Transkriptase: die HIV-Erbinformation kann nicht weiter umgeschrieben
werden. Dieses Verfahren ist elegant, da der Mensch keine Reverse
Transkriptase hat, die Transkription beim Menschen also nicht beeinflusst
wird. Nukleosidanaloga sind z.B. Lamivudin, Emtricitabin und Zidovudin.
Die relativ neue Substanz Tenofovir ist hingegen ein Nukleotidanalogon.
Eine Weiterentwicklung stellen RT-Hemmer dar, die über einen
anderen Wirkungsmechanismus verfügen (NNRTI). Die drei bisher
eingesetzten Substanzen sind Nevirapin, Efavirenz und Delavirdin.
4. Integration: Die durch die Reverse Transkription entstandene
virale DNA wird mittel eines weiteren viruseigenen Enzyms (Integrase)
in die Wirtszell-DNA eingebaut. Dann kann HIV an den zelleigenen
Schritten der Proteinbiosynthese teilnehmen und wird gleichsam mithilfe
der menschlichen Zelle vermehrt. In der Vergangenheit hatte es wenig
erfolgreiche Versuche gegeben, Substanzen zur Hemmung der Integrase
zu entwickeln. Zurzeit befinden sich diese Integrase-Inhibitoren
daher noch in der Entwicklung.
5. Transkription und Translation: Neue Virusbestandteile werden
durch die zelleigene Proteinbiosynthese gebildet. Hier kann keine
therapeutische Intervention erfolgen. Die Proteinbiosynthese ist
lebensnotwendig für den Menschen.
6. Assembling und Budding: Darunter versteht man das Zusammenbauen
der einzelnen Proteine zum kompletten Virus und das nachfolgende
Ausschleusen der Viruspartikel aus der Wirtszelle. Protease-Inhibitoren:
Sie wirken über eine Hemmung der HIV-Protease, deren Aufgabe
es ist, die Polyproteine, die während der Vermehrung durch das
Ablesen der Erbinformation des Virus (Virusgenoms) entstehen, in
die funktionsfähigen Endprodukte aufzutrennen. Dieser Vorgang
läuft vermutlich während oder kurz nach dem Ausknospen
des Virus (Freisetzungsphase des Virus) ab. Anders als Reverse-Transkriptase-Hemmer
unterdrücken Protease-Inhibitoren daher den viralen Reifungsprozess
in bereits infizierten Zellen. Unter Proteasehemmern können
nur unreife, nicht infektiöse Viruspartikel produziert werden.
Fosamprenavir, Indinavir, Nelfinavir und Ritonavir sind beispielsweise
einige dieser Proteaseninhibitoren.
Behandlung des Virusinfekts
Die Behandlung der HIV-Infektion
hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert.
Meilensteine in der Medizin sind manchmal mit wichtigen Konferenzen
verbunden, auf denen der neueste Wissensstand vorgetragen und von
Fachleuten diskutiert wird. Die Konferenzen 1989 in Montreal und
1996 in Vancouver waren solche Meilensteine. Seit 1989 ist AIDS als
eine nach wie vor unheilbare, aber immerhin doch behandelbare Erkrankung
anzusehen. Das Jahr 1996 war durch deutliche Verbesserungen der Behandelbarkeit
durch eine Vielzahl neu zur Verfügung stehender antiretroval
wirksamer Substanzen gekennzeichnet; die anfangs gehegten Hoffnungen
auf eine vollständige Entfernung des Virus aus dem Körper
haben sich jedoch nicht erfüllt. Seit Veröffentlichung
zweier wichtiger Studien - Delta und ACTG-175 - steht fest, dass
die antiretrovirale Therapie grundsätzlich eine Kombinationsbehandlung
sein sollte. Diese Kombination besteht mindestens aus drei verschiedenen
Medikamenten; in der Regel aus zwei nukleosidartigen (s.o.) RT-Hemmern,
die - je nach Immunlage - entweder mit einem Proteasehemmer oder
einem nicht-nukleosidartigen (NNRTI, s.u.) RT-Hemmer kombiniert werden.
Ist der Immunstatus des Patienten nicht extrem schlecht oder besteht
ein hohes Risiko, dass Wechselwirkungen mit anderen benötigten
Medikamenten auftreten, kommt auch eine Dreierkombination, die "nur" aus
NRTI besteht, in Frage ("triple-nuc"). Diese reine Nukleosidanaloga-Therapie
wird jedoch nur empfohlen, wenn eine Protease- oder NNRTI-haltige
Therapie nicht durchführbar ist. Sind bereits zahlreiche Resistenzen
aufgetreten, wird die Behandlung mit bis zu sechs verschiedenen Substanzen
fortgeführt (Salvage-Therapie).
Probleme der Therapie: Resistenzentwicklung des
Virus
Da HIV entwicklungsgeschichtlich sehr jung ist und damit erst
wenige Anpassungsschritte an seine Umwelt vorgenommen hat, "verhält" es
sich "fehlerhaft". Das Wesen jeder Vermehrung oder Fortpflanzung
ist die Vervielfältigung genetischer Information. Dies geschieht
- wie oben beschrieben - bei HIV in einem ersten Schritt mit der
Reversen Transkription. Das diesen Schritt ausführende Enzym
begeht bei jedem Gen-Vervielfältigungsvorgang eine Reihe von
Fehlern. Anders als der hochentwickelte Mensch kennt HIV keine wirksamen
Reparaturmechanismen. Diese Fehler auf genetischer Ebene führen
zu minimalen Veränderungen bei den neu produzierten Eiweißen
der Virusnachkommen: HIV ist mutiert. Da die antiretroviralen Medikamente
hochspezifisch wirken, können schon kleine Veränderungen
des HIV zu einer Wirkungsverminderung oder einem Wirkungsverlust
der Medikamente führen (Resistenzentwicklung). Dies führt
mit der Zeit dazu, dass die mutierten Varianten den Ursprungstyp
(Wildtyp) dominieren, weil sie dem "Druck" der Medikamente
nicht mehr ausgesetzt sind; die Medikamentenwirkung verschlechtert
sich weiter. Schlimmstenfalls werden auf diese Weise Viren aussortiert
(selektiert), die gleichzeitig gegen viele verschiedene Wirkstoffe
Resistenzmutationen entwickelt haben: sie sind multiresistent geworden.
Disziplin des Patienten
Ist ein Patient
in eine solche Situation geraten, ist es für
die behandelnden Ärzte äußerst schwer, eine noch
wirksame Therapie anzubieten. Diese Therapie muss dann aus sehr vielen
verschiedenen Substanzen bestehen, damit ein Mindestmaß an
Wirkung erzielt werden kann. Das bedeutet für den Patienten,
dass er täglich eine derartig große Anzahl von Tabletten
nehmen muss, wie wir es noch aus den Anfängen der HIV-Therapie
kennen. Wie kann man der Gefahr der Resistenzentwicklung begegnen?
Medikamentenstudien haben schon vor Jahren eindeutig bewiesen, dass
nur durch Eingriffe in die HIV-Vermehrung von verschiedenen Seiten
- d.h. durch Einsatz von Medikamenten mit unterschiedlichen Wirkungsweisen
- die Mutationshäufigkeit deutlich vermindert ist. Damit war
die Drei- oder Mehrfachkombinationstherapie entstanden, die heute "state
of the ART" ist. Hiermit eng verknüpft ist folgende Faustregel:
Je deutlicher es gelingt, die Virusmenge zu unterdrücken, desto
geringer ist das Entwicklungspotential für Resistenzen. Dieses
kann aber nur gelingen, wenn die Patienten eine hohe Einnahmetreue
(Adhärenz) aufzubringen im Stande sind. Studien haben gezeigt,
dass schon eine um mehr als 5 % verminderte Einnahmetreue die Wirksamkeit
der Therapie beeinflussen kann und schneller Mutationen entstehen
können (eine Adhärenz von 95 % bedeutet: von 100 ärztlich
verordneten Tabletten nimmt der Patient 95 tatsächlich ein).
Diese Situation fordert von den Patienten eine extreme Disziplin,
die nur mit einer hohen Motivation zur Therapie und einer gewissen
psychischen Stabilität aufzubringen ist. Vergleich: Bluthochdruckpatienten
erreichen eine Adhärenz von 60 %!
Wichtig ist auch in diesem Punkt ein großes Vertrauensverhältnis
von Patient zu Arzt. Wenn der Patient beispielsweise Nebenwirkungen
befürchtet, so sollte er dies mit dem Arzt offen besprechen
und nicht etwa "heimlich" die Tablettenzahl reduzieren
oder das Präparat ganz absetzen. Der Arzt kann durch Aufklärung
die Ängste nehmen oder gemeinsam mit dem Patienten auf ein anderes
in Frage kommendes Medikament wechseln.
Medikamente
Die heute gebräuchlichen
Substanzen lassen sich in verschiedene Klassen unterteilen, die sich
in Wirkweise und chemischer Struktur
unterscheiden.
Nukleosidartige Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)
Als erste Substanzgruppe wurden die nukleosidartigen Reverse-Transkriptase-Hemmer
entwickelt. Dies sind Substanzen, die aufgrund ihres chemischen
Aufbaus als Nukleosidanaloga bezeichnet werden. Sie hemmen die
für die Virusvermehrung notwendige Reverse-Transkriptase.
Der älteste auch heute noch häufig verwendete Stoff ist
das Zidovudin (AZT). Weiterhin gehören in diese Klasse z.B.
Lamivudin und Abacavir, die seit einiger Zeit auch als Kombination
mit Zidovudin in einer Tablette erhältlich sind - was zu einer
Verringerung der Tablettenzahl führte. Die Nebenwirkungen sind
substanzabhängig; häufiger sind Kopfschmerzen, Blutarmut
und Schädigung peripherer Nerven. Selten können schwere
Entzündungen der Bauchspeicheldrüse auftreten, die jedoch
auch von HIV selbst verursacht werden können.
Nukleotidartige Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)
Einziger bisheriger Vertreter ist Tenofovir. Der Unterschied zu den
nukleosidartigen RT-Hemmern besteht lediglich darin, dass er neben
der organischen Base einen Zucker- und einen Phosphatrest aufweist.
Dadurch muss Tenofovir nicht so viele verschiedene Stoffwechselschritte
durchlaufen wie die älteren Substanzen. Die Nebenwirkungen
beziehen sich hauptsächlich auf den Magen-Darm-Trakt. Sehr
häufig sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, auch Schwindel.
Die Substanz wird über die Nieren ausgeschieden - anders als
viele andere HIV-Medikamente (Abbauort: Leber) - so dass Wechselwirkungen,
die sonst häufiger auftreten, selten sind. Studien haben gezeigt,
dass Tenofovir bei Patienten, die trotz vorbestehender Therapie
eine hohe Viruslast haben, gut wirksam ist. Tenofovir wurde im
Oktober 2001 von der US-amerikanischen Behörde für Medikamentensicherheit
FDA zugelassen. Die dem Tenofovir verwandte Substanz Adefovir war
demgegenüber nicht zugelassen worden, da sie zu starke Nebenwirkungen
an den Nieren verursacht hatte. In Deutschland ist Tenofovir seit
Februar 2002 erhältlich.
Nicht-nukleosidartige Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI)
Diese Substanzen hemmen ebenfalls die Reverse Transkriptase. Sie
sind jedoch keine veränderten "natürlichen" Stoffe,
sondern sind am "Reißbrett", also am Computer entwickelt
worden. Vorteilhaft ist die andere Wirkungsweise bei gleichem Wirkziel.
Dies führt zu einem anderen Resistenzmuster dieser Substanzen.
Sie können also auch dann noch wirken, wenn NRTI-spezifische
Mutationen bereits aufgetreten sind. Nachteilig ist, dass die Substanzen
dieser Gruppe nicht gegeneinander austauschbar sind; hat HIV eine
bestimmte Mutation unter Therapie mit Medikamenten dieser Gruppe
entwickelt, wirken auch die anderen Substanzen dieser Gruppe nicht
mehr ("Kreuzresistenzen"). Die eingesetzten Substanzen
sind Nevirapin, Efavirenz und Delavirdin. Häufiger sind Hautausschläge.
Bei Nevirapin muss die Leberfunktion überwacht werden. Bei
Efavirenz können psychische Veränderungen und Albträume
auftreten, die jedoch nicht von allen Patienten als unangenehm
empfunden werden.
Protease-Inhibitoren (Pl)
Das Enzym Protease, neben der Reversen Transkriptase und der Integrase
für die Virusvermehrung unentbehrlich, wird durch die Substanzklasse
der Protease-Inhibitoren gehemmt.
Zur Verfügung stehen zzt. unter anderem Fosamprenavir, Indinavir,
Nelfinavir und Ritonavir. In einigen Untersuchungen konnte gezeigt
werden, dass Kombinationen, die Protease-Inhibitoren enthalten, am
effektivsten die Viruslast senken. Deshalb enthält eine Kombinationstherapie
für Patienten mit extrem wenigen T-Helferzellen in der Regel
1 bis 2 Protease-Inhibitoren. Typische Nebenwirkungen betreffen den
Magen-Darm-Trakt, besonders Übelkeit und Durchfälle mit
breiigen Stühlen sind häufig. Auch Hautausschläge
können auftreten.
Entry-Inhibitoren (EI)
Entry-Inhibitoren, eine neue Substanzklasse, verhindern den Eintritt
von HIV in die Wirtszelle. Sie hemmen somit die Infektion weiterer
Zellen, nicht jedoch die Bildung neuer Viren. Entry-Inhibitoren
unterscheiden sich je nach Wirkmechanismus in Substanzen, die das
Andocken der Viren oder deren Fusion mit der Wirtszelle unterbinden.
Enfuvirtide ist der erste und bisher einzige Fusionshemmer. In
den USA wurde er im März 2003 zur Kombinationsherapie der
fortgeschrittenen HIV-Krankheit zugelassen, d.h. wenn der Therapieerfolg
durch andere Kombinationstherapien ausbleibt oder diese nicht vertragen
wurden.
Therapie anderer Erkrankungen
Die infolge einer HIV-Infektion auftretenden Erkrankungen müssen
entsprechend den auch sonst üblichen Möglichkeiten therapiert
werden - also ein Pilzbefall mit Pilzmitteln, eine Tuberkulose mit
Tb-Medikamenten usw..
Verlauf
Die Prognose der HIV-Infektion
und des AIDS ist in den letzten Jahren durch die Einführung immer neuer Medikamente mit verschiedenen
Wirkmechanismen erheblich verbessert worden. Die Sterblichkeit hat
im Vergleich zu früher deutlich abgenommen. HIV-Infektion und
AIDS sind im Begriff, eine chronische Erkrankung zu werden. Sie sind
es jedoch noch nicht; vor übertriebenen Hoffnungen oder gar
vor Entwarnung muss deshalb nachdrücklich gewarnt werden: auch
heutzutage führt eine HIV-Infektion zu AIDS und AIDS zum Tode!
Umgang mit erwachsenen HIV-Infizierten
Aus der Tatsache, dass eine Infektion nur über Blut, Sperma
und Vaginalsekret und nicht z.B. über eine Tröpfcheninfektion
erfolgt, ergeben sich bereits die meisten Verhaltensweisen im Umgang
mit einem infizierten Menschen:
Jeder alltägliche soziale Kontakt im Beruf und Privatleben mit
Händereichen, Umarmen usw. ist völlig unbedenklich. Auch
das gemeinsame Benutzen von Besteck, Geschirr, Gläsern, Toiletten,
Handtüchern u.ä. ist unbedenklich. Es gibt keinerlei Hinweise
auf ein erhöhtes Infektionsrisiko für Menschen, die mit
einer infizierten Person im selben Haushalt leben. Dabei sollten
natürlich gewisse Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden
und z.B. keine gemeinsame Zahnbürste benutzt werden, da hier über
kleinere Verletzungen beim Zähneputzen ein Restrisiko vorhanden
sein kann.
Risikoreich sind dagegen intime Beziehungen - gleichgültig ob
hetero- oder homosexuelle. Die deutschen AIDS-Hilfen haben in den
vergangenen Jahren wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet, u.a.
dadurch, dass sie eine eindeutige, unverklemmte Sprache benutzt haben,
die jeder verstehen kann. Grundlage eines effektiven Schutzes vor
einer HIV-Infektion ist die konsequente Anwendung von safer sex.
Aufforderungen wie "lebe enthaltsam" oder "sei immer
treu" gehen an der Lebenswirklichkeit vorbei.
Safer Sex - Kondome schützen
Die Grundregel von safer sex ist ganz einfach: keine der infektiösen
Flüssigkeiten Blut, Sperma oder Vaginalsekret darf auf Schleimhäute
oder verletzte/erkrankte Haut gelangen. Beim Anal- oder Vaginalverkehr
müssen also Kondome benutzt werden. Sowohl für den aktiven
als auch für den passiven Partner besteht hier ohne Kondom ein
großes Infektionsrisiko, da immer kleine Verletzungen entstehen.
Beim Oralverkehr ist wichtig, dass kein Sperma oder Vaginalsekret
auf die Mundschleimhaut, Zunge oder Lippen gelangt. Küssen ist
ungefährlich, da es sich bei HIV nicht um eine Tröpfcheninfektion
handelt (anders als bei Hepatitis B); allerdings dürfen hierbei
keine blutenden Wunden vorhanden sein oder entstehen.
Es ist ein Vorurteil, dass safer sex keinen Spaß macht! Mit
safer sex kann man lustvoll seine Sexualität leben und hat gleichzeitig
große Chancen, nach einem langen und erfüllten Leben eines
natürlichen Todes zu sterben. Sicherlich braucht man eine gewisse
Einübungszeit, aber die hat ja jeder und keiner muss sich schämen,
wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt.
Unter Beachtung dieser Vorsichtsmaßnahmen ist ein Zusammenleben
unbedenklich. Es gibt viele Beispiele von Paaren, die seit Jahren
zusammenleben, bei denen ein Partner HIV-positiv ist und der andere
Partner nicht infiziert wurde.
Jede Ausgrenzung von HIV-Infizierten ist daher nicht nur dumm und
unmenschlich, sondern entbehrt darüber hinaus jeder wissenschaftlich-rationalen
Grundlage.
Umgang mit HIV-infizierten Kindern
Kleine
Kinder pflegen normalerweise miteinander zu raufen, sich zu kratzen,
zu schlagen oder zu beißen. Das ist ein Teil ihrer
Entwicklung und kaum mit Argumenten zu unterbinden. Trotzdem ist
ein infiziertes Kind in diesem Alter für andere Kinder keine
Gefahr. Weltweit hat es durch "raufende" Kinder keinen
dokumentierten Fall einer Übertragung gegeben. Eine Meldung
der Infektion an die Erzieher zum Schutz der anderen Kinder ist
nicht vorgeschrieben und auch nicht notwendig. Zum Schutz des infizierten
Kindes ist eine Information der Erzieher über die HIV Infektion
eventuell sinnvoll, um z.B. bei einem Masernfall im Kindergarten
das Kind zu Hause zu lassen. Eine offene Wunde sollte sowieso,
auch wegen anderer Viruserkrankungen, immer von Erziehern mit der
gebotenen Vorsicht behandelt werden.
Schwangerschaft und AIDS
Allgemeines
Noch vor einigen Jahren wurde bei einer HIV-infizierten Schwangeren
aus medizinischer Sicht zur Unterbrechung der Schwangerschaft geraten.
Das Risiko einer Ansteckung für das Kind war unkalkulierbar
hoch (bis 30 %). Inzwischen kann mit wirksamen Maßnahmen
(Transmissionsprophylaxe mit ART während der Schwangerschaft,
primärer Kaiserschnitt am wehenfreien Uterus sowie vorübergehende
antiretrovirale Medikation der Kinder nach dem Kaiserschnitt) die
HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind auf unter 2 %
gesenkt werden. Außerdem haben sich durch die zunehmende
Lebenserwartung der HIV-Infizierten ehemals verloren geglaubte
Lebensperspektiven, wie beispielsweise die Zeugung eines Kindes,
wieder eröffnet. Mit der virusfreien Aufbereitung des männlichen
Samens und den Methoden der künstlichen Befruchtung droht
inzwischen auch keine Ansteckung des HIV-negativen Partners während
der Zeugung.
Medizinisches
Die Einleitung einer Schwangerschaft bei Paaren mit unterschiedlichem
HIV-Status - d.h., es ist nur ein Partner infiziert - ist mit speziellen
medizinischen Maßnahmen verbunden, die dem Infektionsschutz
des nicht infizierten Partners und der Vermeidung einer HIV-Übertragung
auf das Kind dienen. Inzwischen gibt es mehrere Zentren in Deutschland,
die sich auf dieses besondere Gebiet der Reproduktionsmedizin spezialisiert
haben. Je nach Infektionskonstellation sind folgende Maßnahmen üblich:
Mann HIV positiv, Frau HIV negativ
Das HI-Virus ist besonders hoch konzentriert in der Samenflüssigkeit
vorhanden und haftet an abgestorbenen Samenzellen an; befruchtungsfähige
Spermien kommen als Virusträger aber nicht in Betracht. Deshalb
ist das Ziel, diese von den übrigen Spermabestandteilen zu trennen;
hierzu wird die Samenflüssigkeit ultrazentrifugiert. Es folgen
zwei Waschschritte, die Probe wird speziell aufbereitet, so dass
die befruchtungsfähigen Spermien sich an der oberen Grenzschicht
ablagern und isoliert werden können. Mit ultrasensitiven Methoden
wird dann überprüft, ob kein Virus an den Samenzellen haftet.
Bis das Testergebnis vorliegt, werden die Spermien tiefgefroren.
Mit den so aufbereiteten Samenzellen wird die weibliche Eizelle im
Reagenzglas (in-vitro-Fertilisation) oder endoskopisch in der Gebärmutter
(intrauterine Insemination) befruchtet. Diese Methode wurde erstmals
von dem Italiener Augusto Semprini 1989 angewendet und seither weiter
verbessert.
Frau HIV positiv, Mann HIV negativ
Bei dieser Konstellation müssen zwei Ziele verfolgt werden:
Der Mann und das zu gebärende Kind sollen vor einer HIV-Infektion
geschützt werden.Die HIV-Übertragungs- wahrscheinlichkeit
von der Mutter auf das Kind hängt von mehreren individuellen
Faktoren ab: Viruslast der Mutter, bestehende Resistenzen gegen AZT
oder Nevirapin, Begleiterkrankungen der Mutter, bestehende gynäkologische
Erkrankungen.
Von diesen Faktoren hängt ab, ob dem Paar zur Realisierung des
Kinderwunsches geraten wird. Zum Schutz des Mannes wird der Befruchtungsvorgang
ohne direkten Schleimhautkontakt durchgeführt: Samenflüssigkeit
wird zum Zeitpunkt des Eisprungs aus dem umgedrehten Kondom in die
Scheide entleert oder in eine Portiokappe oder Spritze gefüllt
und in die Scheide appliziert.
Fazit
Die Verfahren der assistierten Reproduktion werden zurzeit juristisch
kontrovers diskutiert: Bei HIV-infizierten Frauen ist das Infektionsrisiko
des un- oder neugeborenen Kindes insbesondere bei Einhaltung aller
genannten Maßnahmen gering. Trotzdem bleibt ein Restrisiko,
das sorgfältig überlegt werden muss. Es ist unklar, ob
sich aus dem verbleibenden Infektionsrisiko Regressansprüche
eines infizierten Kindes ergeben könnten. Es ist bei diesen
Verfahren bisher kein HIV-negativer Partner, und damit auch kein
auf diese Weise gezeugtes Kind infiziert worden.
Die hier gemachten Angaben dienen lediglich der allgemeinen Information
medizinischer Laien; keinesfalls ersetzen sie eine individuelle Beratung
beim Frauenarzt oder Internisten. Sie sind auch nicht als Anleitung
für die Herbeiführung einer Schwangerschaft zwischen betroffenen
Paaren zu verstehen. Das persönliche ärztliche Gespräch
ist durch nichts zu ersetzen. Ein Kinderwunsch ist von vielen Emotionen
bestimmt. Insbesondere deshalb ist zu beachten, dass unbearbeitete
Enttäuschungen oder Frustrationen über mögliche Misserfolge
nicht dazu führen, dass Paare auf ungeschützten Geschlechtsverkehr
ausweichen, sondern sich frühzeitig in psychosoziale Betreuung
begeben.
Vorbeugen
Folgende Verhaltensmaßregeln helfen,
die Gefahr einer HIV-Ansteckung und somit des AIDS verschwindend
gering zu erhalten:
•
Bei länger planbaren Operationen möglichst Eigenblut verwenden.
Dadurch ist eine Infektion zu 100 % (auch mit anderen Erregern) ausgeschlossen.
•
In Entwicklungsländern möglichst jede medizinische Versorgung,
die mit Blut oder dem Einsatz von Spritzen u.Ä. zusammenhängt,
vermeiden. Wenn möglich, sollte man die Behandlung erst zu Hause
vornehmen lassen.
•
Fixer sollten Einmalspritzen verwenden. Diese werden in jeder größeren
Stadt kostenlos ausgegeben.
•
Im Alltag sollte man es möglichst vermeiden, Rasierklingen,
Zahnbürsten o.Ä. mit mehreren Personen zu teilen.
• Mutter-Kind
•
Das Übertragungsrisiko einer Infektion von einer HIV-positiven
Mutter auf das Kind lässt sich durch einen Kaiserschnitt und
die Vermeidung des Stillens reduzieren.•
In der Sexualität
•
Safer Sex: Praktiken, bei denen Blut, Sperma, oder Vaginalsekret
auf Schleimhäute oder verletzte/erkrankte Haut gelangen kann,
vermeiden. Deshalb beim Geschlechtsverkehr immer Kondome verwenden,
bei oralem Verkehr kein Sperma in den Mund gelangen lassen.
•
Vermeidung/Reduktion von Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden
Partnern
•
Eine "monogame" Beziehung bietet KEINEN zuverlässigen
Infektionsschutz. Aus Angst vor Beziehungsproblemen verheimlichen
viele Menschen ihrem Partner einen Seitensprung. Experten sprechen
hier vom "Risikofaktor Liebe".
Impfung
Während die Therapie in den letzten Jahren wesentlich verbessert
wurde, fehlt es nach wie vor an einem wirksamen Impfstoff. Ein in
Deutschland entwickelter Impfstoff führte in ersten vorklinischen
Studien zu viel versprechenden Resultaten. Dessen Weiterentwicklung
wurde nun in einem internationalen Projekt bis Dezember 2006 bewilligt.
Schon 1997 hatten sich in den USA einige hundert Menschen zur Erprobung
eines Impfstoffes zur Verfügung gestellt. Der Impfstoff besteht
aus einem abgeschwächten, aber lebenden HI-Virus. Die Impfung
war umstritten, da eine Impfung, selbst mit einem abgeschwächten
HI-Virus, ein Risiko für die Geimpften birgt.
Eine der Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer Impfung ist die
Tatsache, dass ein Impfstoff außer an Menschen nur an Schimpansen
getestet werden kann. Andere Tiere weisen nicht die passenden Rezeptoren
auf der Zelloberfläche auf, so dass bei ihnen keine HIV-Infektion
erfolgen kann. Eine weitere Schwierigkeit ist die extreme Wandlungsfähigkeit
aufgrund der zahlreichen Mutationen des Virus. Es gibt inzwischen
Dutzende von Untertypen, für die man im Prinzip jeweils eigene
Impfstoffe braucht.
Zusammenfassung
Als HIV-positiv wird jede Person bezeichnet, bei der das Humane
Immundefizienz-Virus direkt oder indirekt im Blut nachgewiesen wurde.
Sechs Tage bis sechs Wochen nach erfolgter Ansteckung mit dem HI-Virus
kann es zur akuten HIV-Erkrankung kommen: Die Symptome sind unspezifisch
und denen eines grippalen Infektes ähnlich. Es folgt ein krankheitsfreies
Intervall von mehreren Jahren bis Jahrzehnten. In dieser Situation "ruht" die
HIV-Infektion jedoch nicht, wie man früher annahm; vielmehr
handelt es sich um ein sehr dynamisches Geschehen, bei dem jeden
Tag Milliarden neuer Viren entstehen bzw. abgetötet werden.
Später kommt es in der Vorstufe des AIDS zunehmend zu typischen
Infektionen. Das Vollbild der AIDS-Erkrankung ist durch Gewichtsabnahme,
schwere Infektionserkrankungen und bestimmte Krebsarten definiert.
Durch gezielt gegen die Vermehrung des HI-Virus wirkende - so genannte
antiretrovirale - Medikamente kann der Ausbruch bzw. das Fortschreiten
der HIV-Infektion heutzutage sehr lange hinausgezögert werden.
Zur Entdeckung einer HIV-Infektion wird am häufigsten der Nachweis
von Antikörpern, die gegen HIV gerichtet sind, geführt.
Sind Antikörper vorhanden, muss HIV in den Körper eingedrungen
sein; der Test wird als "positiv" bezeichnet. Will man
eine an 100% heranreichende Sicherheit erreichen, muss man bis zu
drei Monate nach der möglichen Ansteckungssituation mit dem
Test warten. Der Körper braucht solange, um Antikörper
zu bilden. Heutzutage ist auch ein schneller, aber kostenintensiver
HIV-Direktnachweis möglich.
World Affairs - Rieke Bensen